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Zugreisende wissen, dass das Homeoffice von heute unterwegs absolviert wird.
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Zugreisende wissen, dass das Homeoffice von heute unterwegs absolviert wird.

Times mager

Zugfahrt

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Das Homeoffice von heute rollt durchs Land, geräuschvoll.

Das Wort Homeoffice hat sich zwar durchgesetzt, Zugreisende wissen aber, dass das Homeoffice von heute unterwegs absolviert wird. Praktisch, also: praktisch für die Absolvierenden, wobei das Verfahren auch für sie Licht und Schatten hat. Denn circa 30 Prozent der Telefonate und Videoverbindungen via Skype, Zoom, Jitsi, Teams müssen auf die Stabilisierung der entsprechenden Systeme verwendet werden. Hörst du mich, die Verbindung ist schlecht, ich verstehe kein Wort, können wir es mal über Google Meet versuchen.

Google Meet funktioniert hier und jetzt auch nicht besser, aber das weiß der im Zug im Homeoffice befindliche Beschäftigte in diesem Moment noch nicht. Aber gleich, gleich weiß er es und mit ihm der ganze Wagen 9.

Allerdings bleibt bei 30 Prozent noch eine Menge Spielraum, um über die Arbeit zu sprechen. Abzüglich der weiteren 20 Prozent, die für den üblichen Privatkram draufgehen – ich habe viel Sport gemacht, wie geht es Gabi, hat der Stefan dir das auch erzählt, wir haben jetzt gebucht –, bleiben immer noch 50. Natürlich ist es schwer zu beurteilen, worum es dabei geht, aber hören wir trotzdem kurz rein (ICE 597, Berlin–Frankfurt, 15. Juni, vormittags). „Wir machen den Check wie geplant.“ „Motivier die Steffi einfach, du musst noch keine Details nennen.“ „Wir müssen uns unbedingt verabreden.“ „Der Check muss stattfinden.“ „Steffi erfährt noch früh genug, worum es geht.“ „Wir müssen über die Zukunft sprechen.“ „Jetzt lese ich gerade die Mail, dass der Check abgesagt ist.“ „Steffi wird’s überleben.“ „Ich habe hier keinen Zugriff auf meinen Kalender.“

Daran merkt man, dass das Arbeitsleben nicht so interessant ist, wie man immer gehofft hatte, vor allem aber ist es offenbar schwer, zum Kern der Dinge vorzudringen. Zur Arbeit, die doch in irgendetwas anderem bestehen muss, als Checks abzusagen, über die Zukunft zu sprechen und Steffi etwas zu verschweigen, das sie überleben wird. Immerhin. Vielleicht kennen Sie eine Steffi, die mit dieser Information etwas anfangen kann.

Eines der Geheimnisse der modernen Menschheit: davon überzeugt zu sein, dass einen beim Telefonieren niemand hört außer der Person auf der anderen Seite, die einen aber eben genau nicht hört. Darum muss man etwas lauter sprechen, logisch.

Jetzt könnte man sagen: Es waren heitere Zeiten, als hier im Zug Kegelclubs zechten, Kinder krähten und Familien ihre Grundsatzdiskussionen führten. Aber keine Sorge: Auf dem Hinweg am Samstag waren sie alle an Bord. Lustig ragten die Nasen der Rentner aus den FFP2-Masken.

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