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Ein echter Riese.
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Ein echter Riese.

Times mager

Zucht

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Warum muss ausgerechnet der Kaninchenzuchtverein für minderwertige journalistische Herausforderungen herhalten?

Das Telefonat war über seinen dienstlichen Anlass längst hinausgewachsen, als Kollege S. zum Besten gab, dass er in der prinzipiell begrüßenswerten, aber gelegentlich überhandnehmenden Stille seines häuslichen Büroprovisoriums endgültig zum Radiomaniker geworden sei.

Nicht nur, dass er bei jeder Schreibpause, selbst beim Schälen einer Banane, zwanghaft den Deutschlandfunk einschalte. Nein, berichtete S., inzwischen schäle er seine Bananen nur noch zu bestimmten Zeiten, etwa um 12.11 Uhr, wenn der erste Beitrag der „Informationen am Mittag“ unmittelbar zu erwarten sei.

Das Ganze gelte, so S., für alle möglichen Verrichtungen, zum Beispiel auch für den Gang ins Bad, der sich ja wegen des fehlenden Zwangs, frühzeitig die Wohnung wohlriechend zu verlassen, immer weiter verschoben habe, manchmal bis zum Beginn der interessanten, wenn auch etwas unbeholfen benannten Mediensendung „Medias res“ (15.35 Uhr).

Selbst den Sonntag, so S., lasse er nicht mehr aus, aber als er die Titelmelodie der „Zwischentöne“ (13.30) vorgesungen hatte, wechselte er unvermittelt das Thema.

Eine in dieser Sendung befragte Person hatte, wie sich herausstellte, von ihren journalistischen Anfängen bei einer Lokalzeitung erzählt und, so Kollege S., sich „nicht entblödet“ zu bemerken, sie habe da alles mitgemacht, sogar „Kaninchenzuchtverein und so“.

Warum, fragte S., müsse das Stichwort „Kaninchenzuchtverein“ ständig als Synonym für minderwertige journalistische Herausforderungen herhalten, die ohne weiteres den Anfängerinnen und Anfängern zugemutet werden könnten, unterboten nur vom Auftritt des Posaunenchors beim Feuerwehrfest? Hätten nicht gerade diejenigen, die dieser Geringschätzung Ausdruck verliehen, in Wahrheit von der Komplexität des Umgangs mit Rammler und Häsin so wenig Ahnung wie vom Tuten und Blasen?

Er selbst, fuhr S. fort, habe zwar nie einen Kaninchenzuchtverein besucht, aber das sei Zufall gewesen, und es jucke ihn schon in den Fingern, dies nachzuholen und darüber eine preisgekrönte Reportage zu schreiben beziehungsweise eine preiszukrönende, denn eine Reportage zu schreiben, während sie bereits preisgekrönt sei, wäre ja wohl ein Ding der Unmöglichkeit.

Mit Mühe gelang es dem Gesprächspartner, den Kollegen S. nach seinem Lieblingstermin aus jungen Jahren zu fragen. Das sei, antwortete dieser, der Besuch bei einem Verein gewesen, der sich dem Zitherspiel gewidmet habe. Noch heute empfinde er größte Hochachtung für die Zithernden und das von ihnen Gezitherte, und dem damaligen Redakteur sei er ewig dankbar für die Überschrift „Niemand zithert gern allein“.

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