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Wir steuern auf seinen 250. Geburtstag zu: Alexander von Humboldt.

Times mager

Zickzack

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In Windungen zum Ziel: Alexander von Humboldt ist damit weltweit immer wieder gut gefahren. Die Feuilleton-Kolumne.

Einmal in den Alpen in einem Eisregen stehend, konnte aber auch der ihn nicht aufhalten. So wenig wie Blitz und Donner in den Bergen, schließlich hatte er ja dem Gewitter entgegengefiebert. Wo andere Menschen ins Schleudern geraten wären, zog Alexander von Humboldt 1797/98 bei Eis und Schnee sein Ding durch. Er hielt seine Instrumente in die Gewitterluft, doch auch der Körper war Alexander von Humboldt ein Messgerät. Er atmete tief durch, nicht aus Angst, von einem Blitz auserkoren zu werden, zumal in der Höhe der Berge, sondern um in der dünnen Luft das Lungenvolumen zu weiten.

Denn der eigene Körper war Alexander von Humboldt auch ein Experimentierfeld, das ihn elektrisierte. Ganz bewusst versuchte er seine Muskeln zu härten. Und da der Körper ein Organismus ist, in dem alles mit allem zusammenhängt, versorgte der Sauerstoff nicht nur die Lungen. Alexander von Humboldt besah sich seine Muskeln (befühlte sie womöglich gar). Kein Lot Fett (ob es auch wirklich so war?).

Humboldt prüfte erwiesenermaßen das Thermometer, klopfte womöglich gegen das Quecksilberröhrchen, aber behutsam. Wie schnell so ein Glas zersprang! Er überprüfte, wie wir wissen, auch das Barometer. Im Salzburger Land notierte er, dass die Temperatur mit den Höhenmetern, die er die Berge hinauf machte, fiel. Er bemerkte, dass die Luft dünner wurde. Humboldt vergaß den Schwindel in seinem Kopf, nutzte seinen Verstand, einen Forscherverstand, obwohl sich der Raum zwischen seinen beiden Ohren anders anzufühlen begann. Wie ein Hohlraum?

Alexander von Humboldt hatte sich gezielt ein Höhentraining in den Alpen verordnet, als Vorbereitung für ganz andere Aufgaben, ja, höhere. Er nahm sich schon seit Jahren sehr viel vor, darunter eine Weltumsegelung, von der er schon, Jahre vor seinem Programm in den Alpen, auf langen Rheinfahrten gehört hatte, an der Seite des berühmten Georg Forster, der den noch berühmteren James Cook auf der Endeavour begleitet hatte. Legendäre Reise. Forster konnte ungemein packend erzählen, von Humboldt tief beeindruckt zuhören (auch wenn er in dem Ruf stand, selbst unaufhörlich sprechen zu müssen).

Wer in jener Zeit Gelegenheit hatte, dem Tatendurstigen zuzuhören, der bekam die tollsten Pläne aufgetischt, darunter eine Reise um die Welt. Aber hatte er nicht auch Lappland ins Spiel gebracht oder Griechenland oder Sibirien oder Westindien (wie sich seine Briefpartner lebhaft erinnerten).

Welches Ziel denn nun?

Zeitgenossen wurden unruhig. Wenn schon zielstrebig, so führte Humboldt ihnen vor, dann nicht so sehr zack-zack, sondern eher im Zickzack. Alexander von Humboldt, auf dessen 250. Geburtstag wir zusteuern, ist damit weltweit immer wieder gut gefahren. Mit und auf Umwegen.

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