1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Zello-Punkt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Parkhäuser im Vorfeld bezahlen - soll es geben.
Parkhäuser im Vorfeld bezahlen - soll es geben. © Renate Hoyer

Es gilt, einer nordischen Parkhaus-Betreiberfirma zu erklären, dass man aus einem rückständigen Land kommt.

Neulich war hier von Gepflogenheiten in einer Gegend die Rede, in der sehbehinderte Rieseneichhörnchen am Frühstücksbüfett auftauchen, Menschen und Hasenartige einträchtig nebeneinander auf der Wiese lagern; einer Gegend, in der die Tiefgaragengebühr entrichtet wird, solange der Motor noch warm ist, und zwar für die gesamte zu erwartende Parkdauer im Voraus.

Gerade ist ein Mann aus diesem Land hoch im Norden, Fredrik Sjöberg, mit einer fragwürdigen Trophäe ausgezeichnet worden, weil er 202 verschiedene Arten von Schwebfliegen gesammelt und ein Buch darüber geschrieben hat. In seinem aktuellen Nachfolgewerk berichtet er unter anderem von seinem Landsmann Tomas Söderblom, ebenfalls Sammler (Telefone) und Autor (Motorräder, Prostitution). Dieser nenne ein Gerät sein eigen, den Zello-Punkt-Nasenformer, einen „Apparat mit der gleichen Funktion wie eine Zahnklammer, statt für Zähne jedoch dafür konstruiert, verunstaltende Nasen zu korrigieren“.

Das soll zur Einordnung vorerst genügen. Zurück in die Tiefgarage. Touristen verlassen das Gebäude und werden, kaum dass die Tür hinter ihnen ins Schloss fällt, einer befremdlichen Tatsache gewahr: Ihr Wagen steht jetzt an einem Ort, dessen fußläufiger Zugang mittels einer Kreditkarte zu öffnen ist, falls man drinnen mit dieser Karte bezahlt hat. Wenn nicht, dann nicht.

Wer unerfahren darin ist, Parkhäuser im Voraus zu entlohnen, hat jetzt zwei Möglichkeiten: 1.: Jemandem die Kreditkarte stehlen, der ordnungsgemäß geparkt und bezahlt hat. 2.: Sein Auto verloren geben und mit der Bahn weiterreisen. Wir entschieden uns für die Variante Nummer 3: Hinter einem anderen Fahrzeug ins Parkhaus rennen, am Automaten bezahlen und dann vergessen, den Zahlungsbeleg aufs Armaturenbrett zu legen.

Am nächsten Morgen klemmt ein Strafzettel unterm Scheibenwischer. Nun gilt es, der Parkhaus-Betreiberfirma zu erklären, dass man aus einem rückständigen Land kommt, dass dort Autos in Parkhäusern keine Belege auf dem Armaturenbrett benötigen, dass wir aber dennoch bereits zwölf Stunden vor Erhalt des Strafzettels berappt hatten.

Raus aus der Garage gelangt man seltsamerweise völlig problemlos, sogar mit seinem Auto. Acht Wochen später geht dann die Zahlungsaufforderung ein. Wir könnten jetzt die Belege noch einmal an die Firma schicken. Andererseits: Die haben da einen Zello-Punkt-Nasenformer. Vielleicht zahlen wir lieber freiwillig. Sicher wird das alles zeitnah von einem sehbehinderten Rieseneichhörnchen bearbeitet.

Auch interessant

Kommentare