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Viel zu dicht! Warten auf die Telefonzelle.

Times mager

Zelle - Und was das mit Corona zu tun hat

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Von Telefonzellen, dem Warten davor und was das mit Corona-Schlangen zu tun haben könnte.

Aus aktuellem Anlass fiel jetzt in kleiner Runde (na ja, in die Länge gezogener Runde) das Wort „Telefonzelle“. Das nicht nur wehmütiges Erinnern hervorrief, sondern auch – in mindestens einem Fall und trotz Maske erkennbar – die Art Blick, die komplette Verständnisabwesenheit anzeigt.

Also: „Eine Telefonzelle, in der Schweiz Telefonkabine, in Deutschland fachlich als Telefonhäuschen (TelH) bezeichnet, ist eine Kabine oder ein Häuschen mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter, an dessen innerer Rückwand ein Telefonapparat angebracht ist. Die Gebühren des Telefonats werden je nach Eingabeausrüstung mit Münzgeld, einer Telefon-, Kredit- oder Geldkarte beglichen. Telefonzellen stehen in der Regel im öffentlichen Raum.“ (Wikipedia) Es muss ergänzt werden: standen im öffentlichen Raum, bis die Erfindung des Mobiltelefons dazu führte, dass der mobile Mensch überall die Möglichkeit hatte, mit seiner, zum Beispiel, Scheidungsanwältin zu sprechen.

Telefonzelle immer nur für eine Person

Für Telefonzellen galten außerdem folgende Regeln: Sie waren, a), grundsätzlich gerade besetzt, wenn man es besonders eilig hatte; sie waren, b), meist sowieso kaputt; wenn a) und b) nicht zutraf, kam es zu c): im entscheidenden Moment ging einem das Kleingeld aus. Das traf in erster Linie dann zu, wenn man, d), den Eltern behutsam beibringen wollte, dass man im fernen London/Irland/Südfrankreich Geldnachschub brauchte; oder, e), dass man ab sofort mit dem Jungen mit den langen Haaren „zusammen“ war. Der sich außerdem nicht mehr kämmte, weil er Rasta werden wollte. Das waren so die Probleme damals, da können junge Leute unter der Maske nur müde lächeln.

Aber wir schweifen ab, zurück zum aktuellen Anlass. Der bestand darin, dass das Minibäckereifachgeschäft in R. immer nur einer Person auf einmal einzutreten gestattete, dass aber dann jede Person, obwohl sie oder er doch wusste, dass eine kleine Schlange sich den Gehsteig entlangschlängelte, drinnen ungewöhnlich lange brauchte. „Das ist wie früher vor den Telefonzellen“, sagte darum einer, dessen ergrauter Kopf vermuten ließ, dass er es wissen musste, „je mehr Leute warteten, desto länger brauchte der am Telefon.“

Wer das nicht glaubt: Es gibt tatsächlich eine, schon etwas ältere, Studie zum Wieder-Wegfahren an Tankstellen nach dem Tanken. Wartete jemand auf die frei werdende Zapfsäule, brauchten die Fahrer länger, kramten erst noch ein bisschen, legten eine halbe Minute lang den Gang ein ... Derzeit hat man immerhin den guten, sehr guten Grund, dass man trotz allem doch mal miteinander reden können muss.

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