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Fast schon antik: Die Telefonzelle.
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Fast schon antik: Die Telefonzelle.

Times mager

Zelle

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das Herz pumpert, die Hände schwitzen: Telefonieren in der guten alten Telefonzelle.

Besonders im Ausland ging die Reisende mit Herzklopfen an die Sache. Galt es doch, zu wählen, die Anweisungen in einer fremden Sprache zu verstehen, auch wenn gerade ein Laster vorbeirumpelte, den Hörer in der einen Hand zu halten, mit dem Zeigefinger der anderen die Wählscheibe zu bewegen – Trrt trrrt trrrrt trt trrrt – und kein falsches Loch zu erwischen (sonst: zurück auf Los), während die restlichen Finger sich fest um viel zu viele Münzen schlossen, denn man wusste ja nie .... Die Handflächen außerdem schwitzig, wegen der Nervosität. Die Münzen immer in der falschen Größe, egal, wie groß oder klein sie waren. War es vielleicht besser, sie abzulegen auf der schwarzen Box? Da konnten sie einem doch genauso im falschen Moment wegglitschen, zu Boden fallen. Nicht auszudenken, wenn man sich nach ihnen bücken müsste! Womöglich war das Kabel nicht lang genug. Bestimmt war das Kabel nicht lang genug.

Und den Boden der Telefonzellen, liebe Kinder und Millennials, den wollt ihr euch sowieso nicht vorstellen. Festgetretener Kaugummi war da noch das Appetitlichste. Und draußen, stellt euch das ruhig vor, wartete immer eine Schlange, scharrte mit den Füßen, darunter Einheimische, die im besten Fall den Kopf schüttelten über diese ungeschickte Touristin, im schlechteren die Tür aufrissen und fragten, ob man noch lange brauche. „I’m in a hurry, love!“

Mit Herzklopfen machte sich die Reisende also stets an die Sache, aber sie machte sich dran. Denn „und ruf bitte an“ hatten die Eltern zuletzt gesagt, schon winkend, „wir machen uns sonst Sorgen“. Wollte man, dass die Eltern sich Sorgen machen, während man durchs sonnige London schlendert oder in Paris lässig „un café“ trinkt, weil man selbstverständlich weiß, dass italienische Kaffeemoden hier gar nicht gut kommen, jamais. Wollte man keinesfalls. Doch sobald man zum Eigentlichen kam und sagte „Ich wollte euch unbedingt noch erzählen...“ oder „Könnt ihr mir...“ hörte man auf der Stelle das „Piep piep piep ...“. Und musste sich entscheiden, ob das mit dem netten Engländer und dem Umzug noch warten kann – vielleicht sogar besser wartet –, ob das Urlaubsbudget doch erstmal reicht, wenn man die Karte fürs Musical nicht kauft – oder ob man die Handflächen an der Hose abwischt und die Telefonzellen-Prozedur von vorn beginnt. Der Bericht übers Wetter ist ja erledigt, man könnte zur Sache kommen.

Was uns an die Telefonzelle erinnerte? Die Meldung in diesen Tagen, dass in Australien rund 15 000 Telefonzellen in Schuss gehalten werden sollen, um als „Rettungsleine“ dienen zu können. Und wenn Sie sich jetzt eine hektisch nach Münzen suchende Australierin vorstellen: Anrufe im Land werden kostenlos sein.

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