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Rainer Maria Rilke: "Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem."
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Rainer Maria Rilke: "Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem."

Times mager

Zeitvertreib

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Sie müssen diesen Text nicht zu Ende lesen, er besteht aus zwei praktisch unabhängig voneinander nachvollziehbaren Teilen.

Wenn Sie sowohl Probleme mit der deutschen Sprache als auch mit der digitalen Kommunikation haben sollten, kann Ihnen hier geholfen werden. Nur die Probleme sind dann nicht weg. Und noch ein Hinweis: Sie müssen diesen Text nicht zu Ende lesen, er besteht aus zwei praktisch unabhängig voneinander nachvollziehbaren Teilen. Sie können also auch unten bei „Und nun zur deutschen Sprache“ anfangen, das spart Zeit.

Zur digitalen Kommunikation ist zu sagen, dass sich an dem Problem mit mehrzeiligen E-Mails wohl nie mehr etwas ändern lassen wird. Machen Sie mal folgenden Versuch: Bedanken Sie sich sehr herzlich für die Einladung in eine fremde Stadt. Fügen Sie noch hinzu, Sie hätten einen Zug gebucht, der Ihr pünktliches Erscheinen nach menschlichem Ermessen garantiere. So weit alles okay.

Dann fügen Sie hinzu: „Ihr braucht mich nicht vom Bahnhof abzuholen, ich laufe das Stückchen sehr gern.“ Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass Sie folgende Antwort erhalten: Das ist ja schön, wir freuen uns sehr. Natürlich holen wir Dich vom Bahnhof ab.

Die Antwort passt nicht ganz zur Ursprungsnachricht

Das geht übrigens nicht nur mit Besuchen in fremden Städten, sondern auch mit: „Wir treffen uns um 12 Uhr im Konferenzraum 3“ – „12 Uhr geht klar, wo treffen wir uns?“ oder auch mit „Freue mich aufs Essen, bringe noch jemanden mit“ – „Wir auch – kommst Du allein?“ usw.

Merken Sie etwas? Richtig: Die Antwort passt nicht ganz zur Ursprungsnachricht. Das kann nur daran liegen, dass die Empfänger nach maximal 140 Zeichen schlagartig mit dem Lesen aufgehört haben. Es müsste mal jemand ausrechnen, wie viele Stunden Zeit sich die Leute damit vertreiben, Sätze in E-Mails zu schreiben, die nie eine Menschenseele liest.

Und nun zur deutschen Sprache: „Zeit vertreiben“, ist das nicht eine wunderschöne Formulierung? Ja, das ist sie, aber sie hat nach dem Geschmack des Times mager einige Tücken zu viel, vor allem als Substantiv. Das nämlich heißt aus vollkommen unerfindlichen Gründen weder „Zeitvertreibung“ noch „Zeitvertrieb“, wie sich das sonst gehört, wenn man das Wort „vertreiben“ in ein Substantiv verwandelt.

Umgekehrt gibt es weder einen Waren- noch einen Menschenvertreib, und – jetzt wird es ernsthaft skandalös: Außer Zeit gibt es nichts, was man „sich vertreiben“ kann. Was übrigens Rilke unterschlug, als er dichtete: „Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem.“ Aber in der Sache hat er recht. Also schreiben Sie einfach kürzere E-Mails.

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