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Ob die Blumenuhr auch nach der Umstellung noch die korrekte Zeit anzeigen wird?

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Die Zeitumstellung, der 1. April. In stressigen Tagen wäre eventuell eine Genmutation hilfreich.

Als einzig verbleibende Person, die die Zeitumstellung mag, ist es in diesen Tagen etwas einsam. Am Sonntag wird sie seufzend, jedoch gefasst eine Stunde hergeben, hinfort an langen Abenden im Freien pompen, sich aber am 28. Oktober (einen Monat zu spät, das ist hinnehmbar) kichernd noch einmal umdrehen, die damals gesparte Zeit sogleich aufbrauchen und keine nachtschwarzen Wintermorgenstunden befürchten. Die einzig verbleibende Person, die die Zeitumstellung mag, ist sich im Klaren darüber, dass diese etliche fiese, umständliche, kostspielige Seiten hat. Sie verspürt indes einen Unwillen darüber, dass die (bedauerliche, jedoch von der Bevölkerung anscheinend gewünschte, und da gibt es freilich schlimmere Dinge, die sich eine Bevölkerung anscheinend einmal gewünscht hat) Aufgabe der Zeitumstellung das Ende der MEZ in Deutschland bedeuten könnte. Dies ist wiederum erstaunlich. Wer derzeit zart daran erinnert, dass die Winterzeit aus Zeitzonensicht die „Normalzeit“ ist, läuft Gefahr, als herrschsüchtiger Knilch beschimpft zu werden. „Sag du mir nicht, was Normalzeit ist“, ernsthaft.

Beim Friseur zeigte sich dann, dass die einzig verbleibende Person, die die Zeitumstellung mag, nicht ganz so einsam war, wie sie dachte. Eine Zelle Zeitumstellungsbefürworterinnen ließ sich hier die Haare richten und färben (ja, sie verdrängen die Realität, wie es ihnen in den Kram passt, diese Zeitumstellungsbefürworterinnen). Lästig sei es zuerst, und dann sei es doch jedes Mal schön, so der Tenor. Damit war die Sommerzeit gemeint. Die Rückkehr zur MEZ im Herbst versteht sich für das Salonpublikum, das sich noch an das Jahr 1980 erinnern kann oder auf Wikipedia nachgeguckt hat, von selbst.

Und noch etwas anderes zeigte sich hier. Keine der Anwesenden freute sich auf den 1. April und seine Scherze. Die meisten empfanden das als Stress (größer als bei der Zeitumstellung, sieh mal an). Eine empfindsame Dame erklärte, in jedem Jahr sei sie am Vortag noch ganz konzentriert darauf, sich nicht an der Nase herumführen zu lassen. Am Tag selbst sei sie arglos und ein ideales Opfer für dümmste Späße.

In Inverness, berichtet der „Guardian“, lebt eine Frau, die dank einer Genmutation kaum Schmerzen kennt, keine Ängste, keine Sorgen. Ihr Gedächtnis ist genau so gut und schlecht, dass sie glücklich sein kann. Sie sei immer ein froher Mensch gewesen, gab die heute 75-Jährige zu Protokoll, habe aber nicht gewusst, dass das etwas so Besonderes sei. Ist es aber, ist es.

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