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Die Zeit regiert nicht gleichgültig und gelassen schon mal gar nicht, kaum dass man sich auf sie auch nur näher einlässt, ob körperlich oder geistig.

Times Mager

Zeit, die

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Sie lässt sich nicht leugnen, sie ist immer schon da, sie macht es einem (Menschen) geistig und körperlich nicht leicht.

Kommt Zeit, kommt Rat – na ja. Allerdings gibt es Sprüche, die noch ein wenig simpler sind und noch weniger Zukunft versprechen, zumal dieser Tage, unter Coronakrisenbedingungen. Wobei: Könnte es nicht auch Coronabedingungen heißen, denn die Assoziation Krise ist bei dem Wort Coronabedingungen bereits eingepflegt.

Coronazeiten zu sagen, wäre auch nicht falsch. Von ihnen hieß es noch vor kurzem, sie ließen innehalten. Nutzen wir also das Zeitfenster, das die Krise geöffnet hat, um über einige Koppelwortbildungen nachzudenken, die das Wort Zeit mitbringt, darunter: die Vollzeit. Da sie sich nicht auf die Lebenszeit bezieht, sondern die Arbeitszeit, also vom 24-Stunden-Tag dann doch nicht den ganzen Tag meint, zeigt sich ganz gut, dass ein Wort den Sachverhalt nicht triftig wiedergeben muss, um trotzdem wie selbstverständlich benutzt zu werden. Zeit ist quasi nicht nur gefühlt etwas, sie ist auch etwas, über das man sich nicht unbedingt Gedanken macht. Vollzeitbeschäftigung mag einleuchten, aber ist Halbzeitbeschäftigung ein Modell der Kurzarbeit?

Wörter müssen nicht logisch sein, um Konventionen zu zeitigen. Es wird nicht nur viel geredet, es wird gern auch geplappert. Das beliebte Zeitfenster also, eines Tages erfunden, heute nicht mehr wegzudenken. Zeit ist offenbar etwas, was der Fantasie Raum gibt. Denn man muss sich nur vorstellen, wie es mit der physikalischen Zeit beschaffen ist, an erster Stelle mit der Planckzeit. Unter der man sich allerdings nur dann noch etwas vorstellen kann, wenn man abstrakt wird. Sich also sagt, es handele sich bei ihr um die kleinste (oder letzte) Einheit der physikalischen Zeit. Schwieriger und unmittelbar unfassbar wird es, sobald man glaubt, man könne mit der Tatsache fertigwerden, dass die Planckzeit kürzer ist als ein Billionstel von einem Billionstel von einem Billionstel einer: Sekunde.

Das sagt uns: keine Planckzeit, ohne dass selbst in ihr nicht ein Sekundenzeiger zitterte. Zur Existenz der Zeit gehören überhaupt Konsequenzen. Zeitnot, Zeitmangel – zwei eher abstrakte Begriffe, doch weit plastischer als das vermeintlich konkrete Zeitfenster. Das Zeitalter mit seinen historischen Dimensionen, der Zeitgeist mit seinen mentalen – und das eher zum Verschwinden verurteilte zeitvergessen mit seinen träumerischen, eine kleine Zeitlosigkeit beschwörend, den Moment einer Ewigkeit. Dennoch und entgegen des arglosen Wortes Zeitvertreib: Die Zeit regiert nicht gleichgültig und gelassen schon mal gar nicht, kaum dass man sich auf sie auch nur näher einlässt, ob körperlich oder geistig.

Man hängt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt, dass einem bei dem Wort Zeit immerhin nicht langweilig werden muss. Dass das bei der Zeit selbst anders sein kann, zeigt nur, wie total sich die Zeit Raum zu schaffen vermag.

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