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Ob Wasser oder Sand, in beiden Uhren bildet sich treffend ab, dass die Zeit „verrinnt“, Tag und Nacht.
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Ob Wasser oder Sand, in beiden Uhren bildet sich treffend ab, dass die Zeit „verrinnt“, Tag und Nacht.

Times mager

Zeit

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Lassen wir zum Ende des Jahres einmal fünf oder sieben Uhr auf der Klepsydra gerade sein.

Wann, wenn nicht zum Jahresende, wäre Zeit, über die Klepsydra zu reden? Denn über die Klepsydra zu reden, heißt auch, über die Zeit zu reden.

Ja, die gute alte Klepsydra, klingt das nicht so, als wäre uns das Wort die ganze Zeit geläufig gewesen? Das ist natürlich Quatsch, Colum McCann musste uns die Klepsydra in seinem Roman „Apeirogon“ erklären: „Die alten Griechen maßen die Zeit am Tag mit Sonnenuhren und bei Nacht mit Wasseruhren oder Klepsydren. Eine steinerne Schale wurde am Boden mit einem Loch versehen, sodass das Wasser Tropfen für Tropfen in das Gefäß darunter lief. Am Wasserstand des Einlaufgefäßes ließ sich die verstrichene Zeit ablesen.“

Schreiten wir also zur Internet-Recherche (mit welcher Suchmaschine, wird hier nicht verraten, obwohl nach ihr sogar ein deutsches Verb benannt ist, aber ein Leser hat geschrieben „Googeln geht gar nicht“, also schreiben wir „Internet-Recherche“). Die hier nicht genannte Suchmaschine teilt mit, dass sich das Wort „Klepsydra“ aus „Kleftis“ (Dieb, vgl.: „Kleptomane“!) und „Hydor“ (Wasser) zusammensetzt. Wikipedia (dürfen wir nennen, ist nicht profitorientiert) übersetzt prompt mit „Wasserdieb“, als ginge es nicht auch um gestohlene Zeit.

Colum McCanns Roman ist ein Meisterwerk, aber eine Sache hätte er mal hinterfragen sollen: Hätte ich als alte Griechin oder alter Grieche nachts auch eine Sanduhr ablesen können? Im Polnischen heißt Klepsydra außer Wasseruhr auch Sanduhr, teilt Wikipedia mit, als hätten die Polin und der Pole sich gedacht: Nun ja, Wasser gibt es wie Sand am Meer, alles das Gleiche, lassen wir also fünf Uhr gerade sein. Was sagt der Grieche dazu, was die Griechin?

Ob Wasser oder Sand, in beiden Uhren bildet sich treffend ab, dass die Zeit „verrinnt“, Tag und Nacht. Das wird sie im nächsten Jahr wieder tun, aber der Mensch, das spüren Sie am Silvesterabend auch, mag sich der Vergänglichkeit nicht einfach beugen, obwohl kein Zweifel an ihr besteht. Der Mensch tut im Moment des Übergangs so, als ließe sich die Sand- oder die Wasseruhr, egal, mit neuer Zeit füllen. Mit Zeit, die nicht verrinnen soll, ohne vorher mit Sinn angereichert worden zu sein. Gute Vorsätze, so nennt sich das, und lassen Sie sich nur nicht einreden, die wären nichts wert, nur weil Sie die Hälfte wieder vergessen.

Die Wasseruhr, sagt das Internet, wurde im alten Griechenland gar nicht nur nachts, sondern vor allem bei Gericht eingesetzt, um den Ablauf der Redezeit anzuzeigen. War ein Redner schneller fertig, konnte er dem Gegner das Wasser reichen. Von wegen Vorsätze: Das wäre mal was für Videokonferenzen.

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