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„ZDF“

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Von: Christian Thomas

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Als "Spfr. Lotte" findet man die Sportfreunde im Videotext.
Als "Spfr. Lotte" findet man die Sportfreunde im Videotext. © imago/osnapix

Im Videotext liest man „Darmstadt 98“ oder „HSV“ oder „Erz. Aue“ – wie auch, mental topfit: „FC Bayern“.

Man kann oder darf sagen, dass sich das ZDF mit der Benennung von Eigennamen eher schwertut, auch wenn es einen Harry Valérien durchsetzen konnte oder einen Béla Réthy, vielleicht auch wegen ihrer Namen, die ein wenig exotisch klingen, aber umso verheißungsvoller. Es geht also, wie unschwer zu erkennen, um den ZDF-Sport, eine legendäre Vergangenheit mit Valérien und eine lustige Gegenwart mit Réthy, der sicherlich auch als Kommentator vor das Mikrofon treten könnte, um von der ersten Minute an hellwach zu berichten, warum „das aktuelle sportstudio“ eines Tages in „ZDF-Sportstudio“ umbenannt wurde und warum es eines Tages wieder zurückbenannt wurde, in „das aktuelle sportstudio“, bis heute.

Wie auch immer, ob man diese Sendung eventuell abpfeifen kann oder sollte oder muss – der ZDF-Zuschauer sieht sich mit einer Tatsachenentscheidung konfrontiert, einer aus Mainz, wo seit Jahren ein Fußballbundesligaverein existiert, der FSV Mainz 05, der in der ZDF-Videotexttabelle den Namen „Mainz 05“ trägt, direkt über „E. Frankfurt“, was man verstehen kann.

Das Verständnis gilt hier nicht dem Tabellenplatz, sondern der Tatsache, dass die Stadt Frankfurt auf der Seite 288 des ZDF-Videotextes auch einen „FSV Frankf.“ in der 3. Liga führt, die angeführt wird vom „MSV Duisburg“, der 1963 bekanntlich als Meidericher SV zu den Gründungsmitgliedern der Fußballbundesliga gehörte, ebenso wie „Preuß. Münster“ (eine ZDF-Sentimentalität gegenüber Preußen Münster). Auf Platz 4 führt das ZDF „Spfr. Lotte“, die Sportfreunde also, als gäbe es in Lotte gleich mehrere Top-Fußballklubs, wie auch in Wiesbaden (deshalb: „Wehen Wiesbaden“) oder auch Regensburg (deshalb: „J.“).

Was die 3. Liga angeht, so zeigt sich der ZDF-Text also ungemein präsent, so wie auch in der 2. Liga bei „1860 München“. Denn gibt es nur einen Münchner Klub? Natürlich nicht, deshalb liest man im ZDF auch „Union Berlin“, weil nicht nur ein Berliner Klub den deutschen Profifußball ungemein bereichert, wie ja auch in der 1. Liga „RB Leipzig“ ein großer Gewinn sein muss, für die Liga, nicht den Alleinbesitzer.

Auch liest man „Darmstadt 98“ oder „HSV“ oder „Erz. Aue“ – wie auch, mental topfit: „FC Bayern“. Wenn man über ihn nicht bereits im Erdkundeunterricht gelernt hätte, man wüsste nicht, wo der Eigenname (das Firmenschild) anstelle des Ortsnamens hingehörte: München halt. Sonst noch im ZDF-Text: „Hoffenheim“, „Leverkusen“, „Freiburg“ oder „Dortmund“. Zu dieser Ignoranz dürfen sich diese Vereine hocherhobenen Hauptes verhalten.

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