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Autorin Reza: Es sei eine Illusion anzunehmen, dass Schriftsteller mehr wüssten als andere.
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Autorin Reza: Es sei eine Illusion anzunehmen, dass Schriftsteller mehr wüssten als andere.

Times Mager

Yasmina Reza

Die französische Autorin, die man einen Star nennen darf, zeigte sich im Frankfurter Schauspiel von einer vieldeutigen Seite.

Gespräche, in denen Schriftstellerinnen und Schriftsteller Auskunft geben, haben ihre eigenen Gesetze. Menschen in politischen Berufen lernen vorher einiges auswendig und versuchen möglichst viel davon zu platzieren. Das klingt einfacher, als es ist. Menschen in sportlichen Berufen sind außer Atem und reden aus der Lamäng. Das klingt schwieriger, als es ist. Schriftstellerinnen und Schriftsteller aber sind sehr einzelne Persönlichkeiten, gewöhnt über Wörter nachzudenken, sie wertzuschätzen und ihnen zu misstrauen.

Die Französin Yasmina Reza war jetzt im ausverkauften Frankfurter Schauspielhaus dabei zu erleben, wie sie den fragenden Literaturkritiker Martin Ebel sehr ernst nahm und ihn gerade darum schier (aber nicht ganz) auflaufen ließ, das war ein sympathisches Vergnügen. Sie könne nichts dazu sagen, warum ihr neuer Roman „Babylon“ heiße und wolle es letztlich auch nicht, weil das zu verstehen sei, sobald man das Buch zu Ende gelesen habe. Ob Menschen sich zu Paaren zusammentun, um einem „Exil“ zu entkommen, könne sie nicht beurteilen, da müsse Herr Ebel einen Soziologen oder Psychologen befragen. Es sei eine Illusion anzunehmen, dass Schriftsteller mehr wüssten als andere. Nein, sie glaube nicht an das Weiterleben in Kindern oder durch Nachruhm.

Keine Lösung für den Tod

Wer Kinder habe, merke, dass man in Kindern keineswegs weiterlebe. Wer Bücher schreibe, begreife, was für ein Bruchteil von Werken die Zeiten überdauere. „Für den Tod gibt es keine Lösung.“ Nein, sie brauche nicht lange, um zu entscheiden, welcher Stoff zum Theaterstück und welcher zum Roman geeignet sei. Nein, ihre erste Laufbahn als Schauspielerin sei nicht von Belang beim Schreiben, auch wenn sie natürlich gerne in Rollen schlüpfe. Nein, es falle ihr nicht sehr schwer, zu Figuren Adieu zu sagen, auch wenn sie sie natürlich möge. Nein, der Mord in „Babylon“ sei ihr nicht leicht gefallen. Sie habe aber feststellen müssen: „Große Autoren töten leicht.“

Schließlich wies Yasmina Reza darauf hin, wie wichtig es ihr sei, öffentlich nicht auf eine Rolle festgelegt zu werden. Und auf der Straße (als Frankreichs derzeit wohl bekannteste Autorin) unerkannt zu bleiben. So dass solche Gespräche ihr nicht liegen können, und doch war sie abgründig charmant, unverbindlich und verbindlich zugleich. Auch Herr Ebel wird sich nicht unwohl gefühlt haben. Das ist das Wunder des Aug-in-Aug-Gesprächs im Internetzeitalter und unter wachen Leuten. Rührend, wie versucht wird, das Geschwirr menschlicher Blicke, den Reichtum an Möglichkeiten zu Lächeln in kleinen, an Textnachrichten gehängten Bildern zu vermitteln.

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