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Nachgeben wäre das Letzte gewesen, worin sich W.W. gefügt hätte.

Times mager

W.W. - Die Feuilleton-Glosse

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Über einen, der intensiv in sein Image investierte: Wilhelm Waiblinger.

Zweihundert Jahre ist es her, dass Wilhelm Waiblinger im April 1820 in Stuttgart eintraf. Er hatte bereits eine äußerst bewegte Schullaufbahn hinter sich, jetzt sollte er auf das Obere Gymnasium der Stadt gehen. Was man so „gehen“ nennt. Das war für den Schüler Waiblinger kein simpler Schritt. Denn W.W., Wilhelm Waiblinger, der sich zu dem Zeitpunkt noch Fritz rufen ließ, war für das Gängige nicht geschaffen. Hey, Herr Lehrer, lass ihn einfach machen. Hey, teacher, leave W.W. alone.

Wollte er zu viel, weil er gegen Wände rannte? Über Leben und Werk Wilhelm Waiblingers hieß es, sie seien „fast vergessen“. So hieß es vor 98 Jahren in einem wichtigen Buch über ihn, so hieß es genauso vor 45 Jahren im Nachwort einer Anthologie aus seinen Tagebüchern, Briefen, seiner Prosa. Herrliches darunter. Fast vergessen.

„Fast“. Darin steckt genug Substanz, um sagen zu können, da war doch mal was, richtig, denn nie war dieser Waiblinger vollständig vergessen, dass man sich nicht doch noch vage an ihn erinnerte. Anstelle eines Rufs als Autor einer in Verruf. So was geht rasch, allerdings hat Wilhelm Waiblinger für das Image, das er hatte, auch Beträchtliches geleistet. Er hat in dieses Image investiert. Der Ruf, in dem W.W. stand, und es war der eines Enfant terrible, will, und hier gilt, von nichts kommt nichts, erarbeitet sein.

Anders: intensiv die Investition in sein Image. Dieses Engagement in eigener Sache eilte W.W. als Leumund voraus. Denn sonst hätte man ihn nicht, als er am 23. 10. 1822 in das Tübinger Stift eintrat (was man so eintreten nennt!), um als Theologe erzogen zu werden, vorab einer Predigt unterzogen. Prophylaxe quasi. „Ich war den Herren längst bekannt. Darum überhäuften sie mich mit ihrem warnenden Geschwätz – mich zu fügen, nachzugeben.“

Nachgeben wäre das Letzte gewesen, worin sich W.W. gefügt hätte. Der Vorstellung, klein beigeben zu müssen, ging stets das Gefühl voraus, sich unterwerfen zu müssen. Dass er sich von warnenden Worten „überhäuft“ sah, zeigt, wie sehr er sich bedrängt fühlte. W.W. sah sich stets einem Übermaß an Umwelt ausgesetzt. Dagegen gab es nur die Möglichkeiten der Nichtanpassung, der Selbstbehauptung und der Renitenz. Das terrible Kind, der rebellierende Jugendliche, die Auflehnung als Autor.

Im Frühjahr 1821 beginnt W.W. seine eigensinnige Autorenlaufbahn, er fängt an, Tagebücher zu schreiben, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Er ist 16, er ist überzeugt, ein Dichter zu werden. Das war vor 199 Jahren. Runder lässt sich die Sache, die W.W. anpackte, in diesen Tagen und Wochen nicht machen.

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