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Wurmloch

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Von: Lisa Berins

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Lieber mal alles festhalten auf dem Klapptisch. Denn: „Wurmlöcher sind nicht stabil“.
Lieber mal alles festhalten auf dem Klapptisch. Denn: „Wurmlöcher sind nicht stabil“. © Imago

Wie passt ein ICE in ein Wurmloch? Und wo könnten die Passagiere aussteigen?

Natürlich, es ist rein spekulativ. Wenn dieser High-Tech-ICE 820 jetzt auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen würde, zu einem knapp 500 Lichtjahre entfernten Stern und zurückrauschen würde, dann wäre es nicht allzu unwahrscheinlich, dass man damit durch die Raumzeit düsen könnte. Oder, vielleicht einfacher: mit dem Zug Star-Trek-mäßig durch ein Wurmloch fahren, das zwei Zeitpunkte im Universum miteinander verbindet. „Wurmlöcher haben einen Haken: Sie sind nicht stabil“, steht da allerdings im „Geo“-Magazin. Das würde also ganz schön ruckeln, besser den Kaffee auf dem Klapptisch festhalten.

Außerdem müsste man schnell sein; so ein Wurmloch wäre nämlich extrem kurzlebig, es würde nur zehn Billionstel Billionstel Billionstel Nanosekunden existieren – und diesen Augenblick exakt abzupassen, ist äußerst schwer, zumal für die Deutsche Bahn. Hinzu kommt: Das Wurmloch würde sich nicht nur im Raumzeit-Schaum verstecken, es wäre auch noch winzig klein, wie man bei der Lektüre erfährt. Um es zu vergrößern, damit die Zeitreisenden hineinpassen – oder der ganze ICE – bräuchten wir einen Inflator, eine Aufpumpmaschine aus ziemlich leistungsstarken Lasern, die eine negative Energiemenge von der Masse des Jupiters erzeugen. Gut. Im Tunnel gibt es dann einen Differentiator, der einen Zeitunterschied herstellt, und, ach ja, die Öffnung des Wurmlochs müsste in die Nähe eines Neutronensterns geschoben werden. Und dann zack: rein mit dem ICE.

Aber jetzt kommt der wirkliche Haken, und das würde die Bahnpassagiere sehr verärgern: Wenn man einmal im Wurmloch drin ist, dann ist nicht sicher, dass man dorthin reisen kann, wo man hin will. Denn man kann nur dort aussteigen, wo ein Ausgang existiert, und das wäre – zumindest, wenn Geheimdienste nicht schon viel weiter sind, als wir denken – von uns aus gesehen erst in der Zukunft der Fall. Vereinfacht gesagt: Es müsste jemand am anderen Ende eine Tür aufmachen, und das geht nur, wenn eine solche Tür existiert.

Entschuldigung, mal kurz das Ticket zeigen. Ach, der nächste Anschluss ist erreichbar, eine freudige Überraschung. Auf dem Handy noch mal die Nachricht in der 20-Jahre-Abitur-Treffen-Gruppe durchgelesen: Der Hausmeister (es ist noch immer derselbe wie damals! Smiley) macht uns das Tor auf und lässt uns aufs Schulgelände! Ja, genau, der Mann mit dem riesigen Schlüsselbund, der damals schon ziemlich alt war. Dass der immer noch da ist ... Moment. Wenn man sich’s recht überlegt: Wussten wir nicht schon die ganze Zeit, dass er eigentlich eine viel wichtigere Rolle spielt, als einen schnöden Schulhof zu bewachen?

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