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Welche wahr werdenden Märchen hat sie bloß gemeint?
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Welche wahr werdenden Märchen hat sie bloß gemeint?

Times mager

Wunder

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Es kann keine Rede davon sein, dass tausend Märchen wahr würden. Kein Frosch tut, wie er soll. Kein Wunder ist in Kraft getreten – bis auf die Schlagbohrmaschine.

Sie wisse, es werde einmal ein Wunder geschehen, sang Zarah Leander, die schwedische Aktrice, 1942 unter wenig erbaulichen allgemeinen Umständen auf Deutsch, und im Zuge des Wunders würden obendrein tausend Märchen wahr, behauptete sie im tiefen Brustton der Propaganda.

Bis heute ist der interessierten Öffentlichkeit verborgen geblieben, welche Märchen sie wohl gemeint haben könnte; aus dem Repertoire der Brüder Grimm kann es eigentlich nichts gewesen sein. Man trifft zwar, vornehmlich in Gartencentern, den einen oder anderen Frosch mit Krone, aber konkret zur Sache befragt, vermag die Amphibie weder goldene Kugeln aus Brunnen zu bugsieren noch schöne Königstöchter anderswie glücklich zu machen. Auch die gestiefelten Kater, Goldmariechen, Wölfe, Drosselbärte, Hasen, Igel und Aschenputtel können in der Regel, man muss das so hart sagen, nicht liefern.

Die Schlagbohrmaschine? Jawohl

Inzwischen wissen wir, dass so gut wie nichts von dem stimmte, was den Leuten 1942 hierzulande weisgemacht wurde. Das mit dem Wunder war trotzdem ein starkes Stück. Fußballfans werden widersprechen, aber wenn wir ehrlich sind, ist bis heute kein einziges Märchen Realität geworden, erst recht kein Wunder in Kraft getreten, allen Heilig- und Seligsprechungen zum Trotz, abgesehen von der Schlagbohrmaschine.

Die Schlagbohrmaschine? Jawohl, die Schlagbohrmaschine – ein Wunder. Manchen ist es noch gar nicht bewusst.

Also, was ist eine Schlagbohrmaschine? Da stellen wir uns ganz dumm. Und da sagen wir so: Eine Schlagbohrmaschine, das ist eine Bohrmaschine, die schlägt. Wen? Die Wand. Warum? Damit ich leichter in die Wand hineinbohren kann. Und wie? Sehen Sie, genau das ist das Wunder.

Üblicherweise sind Bohrmaschinen kleiner als ihre Anwender. Das gilt nicht für jene Vorrichtungen, die etwa zum Bau von U-Bahn-Schächten oder Ärmelkanalunterquerungen eingesetzt werden. Die Bohrmaschinen, mit denen wir Heimwerker unsere Gardinenstangen anzubringen trachten, sind aber sogar erheblich kleiner als herkömmliche Menschen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass sich der große, starke Mann mit einer kleinen, normalen Bohrmaschine gegen die Wand stemmt und trotzdem kein adäquates Dübelloch da reinkriegt, und dann kommt die (wie gesagt: ebenfalls sehr kleine) Schlagbohrmaschine daher, entwickelt aus sich selbst heraus die erforderliche horizontal wirkende Kraft, schlägt ohne Fäuste in die Wand … Loch … Gardinenstange … ein Wunder!

Die Schlagbohrmaschine. Eine willkommene Abwechslung zum gebräuchlichen Sesamöffnedich.

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