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Wüstenei

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Von: Christian Thomas

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Bauarbeiten an der oberirdischen U-Bahn-Station Dornbusch anno 2013.
Bauarbeiten an der oberirdischen U-Bahn-Station Dornbusch anno 2013. © Michael Schick

Eine U-Bahn ist kein Riesenrad: Das mussten auch Frankfurts Verkehrstechniker einsehen, als sie im Dornbusch munter bauten.

Liegengeblieben als Wüstenei, so hieß es wortwörtlich. Es im Oktober 1968 so zu sehen, war eine weitere Meinung unter all den Urteilen, die auf der Erfahrung beruhten, dass die Stadt nicht mehr wiederzuerkennen war zwischen Theaterplatz und Dornbusch wegen der U-Bahn, die in der Erde ausgelegt wurde, zudem interpretiert wurde in „offener Bauweise“, so dass sich eine riesige Baugrube durch die Stadt pflügte, eine Furche, die Frankfurt den Ruf eines demolierten Stadtbilds einbrachte.

Bei dem Ruf ist es im Dornbusch geblieben, dort wo die U-Bahn heute noch aufsteigt in Höhe der Humser Straße, mit ihren parallel zur Straße angeordneten Zeilenhäusern. Die Häuser ganz im Stil der späten 50er und frühen 60er Jahre. Die U-Bahn-Trasse ganz nach Art einer neuen Zeitrechnung.

Heute wirken auch die Fassaden der Wohnhäuser stark verwohnt. Ob nun die nüchternen Nachkriegsfassaden oder die aufwendigeren, die durch den Bombenkrieg hindurchgekommen sind. Heute zeigen sich Außenansichten, auf die offenbar wenig Wert gelegt wird, trotz Gründerzeitbauschmuck. Ob die oberirdische U-Bahn-Trasse die Gleichgültigkeit auf die Fassaden gebracht hat wie graue Farbe? Von der U-Bahn-Station Dornbusch aus zeigen sie sich wie der Ausdruck von Resignation.

Resignation auch in nicht wenigen Geschäften, die Station entlang, sie hat hier immer wieder Hochkonjunktur gehabt. Viele Läden haben sich nicht halten können. Durch die oberirdische U-Bahn-Trasse wurde ihnen ein dauerhaftes Unterkommen vorenthalten. Auch die Unterführungen haben nichts an der rigorosen Teilung des Stadtteils ändern können. Alle Pläne, das abzuändern, traten dann immer nur auf der Stelle. Wenn in die Unterführung investiert wurde, dann wurde an der trostlosen Tunneldecke ein Gemälde bewusst angebracht.

Anfang des neuen Jahrtausends wurde die U-Bahn-Station für einen barrierefreien Übergang umgebaut, später wegen tödlicher Unfälle mit einer Ampelanlage versehen. Allmorgendlich ignoriert wird das Rotlicht auch weiterhin gezielt. Oder die grellgelb gestrichene Überführung blindlings passiert, mit einem Kinderwagen vorneweg.

Mit der Fertigstellung der U-Bahn wollte Frankfurt verkehrstechnisch das ganz große Rad drehen. Im Laufe der Jahre aber mussten Frankfurts Verkehrstechniker einsehen, dass die U-Bahn kein Riesenrad ist, zu dem man aufschaut aus Bewunderung. Mit dieser Gewissheit fährt man allmorgendlich stadteinwärts ein in die Aushöhlung.

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