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Wünsche

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Von: Sylvia Staude

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Eignen sich nicht nur für fromme Wünsche, sondern auch prima für gute Vorsätze.
Eignen sich nicht nur für fromme Wünsche, sondern auch prima für gute Vorsätze. © Fabian Strauch/dpa

To whom it may concern: Wir hätten da ein paar Wünsche ans neue Jahr.

Bescheidene und unbescheidene Wünsche an das Jahr 2023.

Fangen wir mit den bescheidenen an.

Möge wenigstens ab und zu ein Nachbar oder eine Nachbarin die Gemeinschaftstonnen zur Leerung an die Straße stellen. Und gern danach auch wieder zurück.

Möge der Hausmeisterdienst beschließen, seine Laubblas- oder Kehrmaschinen-Runde nicht ausgerechnet um 7 Uhr morgens dort zu beginnen, wo man selbst wohnt und schläft.

Dürfen wir darum bitten, dass das WLAN nicht ausgerechnet zehn Minuten vor Ende des Tatorts ausfällt? Dass außerdem wie meist im Leben der Gärtner, Briefträger oder Stalker der Mörder ist und nicht die Gärtnerin, Briefträgerin oder lesbische Stalkerin die Mörderin? Zweiter Folgewunsch: Liebe ARD, wer nicht mehr die Kommissarin oder den Kommissar spielen möchte, muss doch nicht gleich umgebracht werden.

Der DB wünschen wir stets gesundes, freundliches Zugpersonal (diesem natürlich freundliche Passagiere), funktionierende Weichen, Türen, Stellwerke, korrekte Anzeigen und Ansagen – und wenn es unseren Wünsche-Etat nicht zu sehr strapaziert, wäre es perfekt, wenn letztere auch zu verstehen wären. (Am perfektesten wäre natürlich Pünktlichkeit, aber das wäre angesichts der allgemeinen DB-Lage ein wirklich sehr unbescheidener Wunsch.)

Möge sich wenigstens der Cursor nicht mehr vom Bildschirmrand stürzen – oder wohin auch immer er verschwindet, wenn er verschwindet. Und, to whom it may concern, wie wäre es mit ausreichend Speicherplatz für viereinhalb bis fünf Bilder plus Minimum 1 PDF?

Möge wer-auch-immer mir 2023 weder eine Druckerpatrone noch ein Potenzmittel zu verkaufen versuchen. Und auch keine gefühlt 137 Pakete pro Tag ankündigen, von denen ich exakt 0 bestellt habe. (Denn, ziemlich gut gehaltener Vorsatz bereits seit Anfang 2022: nichts mehr bestellen, nur noch vor Ort einkaufen.) Noch mehr freuen würden wir uns (liebes Wunsch-Konto, nimm es als Wunsch-Ableger): statt Viagra-Werbung möge bitte jeweils ein Comicstrip von Tom Gauld im Maileingang landen.

Vielleicht noch folgende klitzekleine Wünsche: Möge die Sitznachbarin in der Oper vor den ersten Takten daran denken, ihr Hustenbonbon auszupacken. Möge dem jungen Mann auf der anderen Seite sein Selfie ebenfalls vorher zu seiner Zufriedenheit gelingen.

Zum Schluss muss ein großer, ein unbescheidener Wunsch sein, denn wenn man es gar nicht erst versucht...: Möge der Kollege St. an dieser Stelle bald aufhören können mit seiner Zählung der Kriegswochen. Damit wäre ihm ein bisschen, dazu sehr vielen Menschen eine Menge geholfen.

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