Bigmouth strikes again.
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Times Mager

Wort & Wut - Die Feuilleton-Kolumne

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Von sechs auf sechzehn auf zweiundzwanzig: Donald Trump twittert und lügt immer manischer.

Im vergangenen Jahr erschien die bereits „biglier edition“, die erweiterte Ausgabe von „The Beautiful Poetry of Donald Trump“. Darin nutzte der Humorist Rob Sears noch einmal Trumps Übertreibungen, Verdrehungen, Beschimpfungen, Wiederholungen, auch seine falsche Grammatik, als wären sie nichts als Puzzleteilchen eines harmlosen Un-Sinns. Das Cover, ein Fake natürlich, zeigt einen romantisch im Grünen ruhenden Trump. Dann kam Covid-19, dann wurden Millionen US-Amerikaner arbeitslos, dann wurde Trump – es ist seine eigene Ausdrucksweise – ein noch gefährlicherer Irrer, der gefährlichste Irre, den die USA jemals als Präsidenten hatten.

In dieser Woche wird ein anderes Buch über den US-Präsidenten erscheinen, zusammengestellt in akribischer Recherche von den Faktenprüfern der „Washington Post“: „Donald Trump and His Assault on Truth“ dokumentiert des Präsidenten pausenlose Attacken auf die Wahrheit, dokumentiert, wie er die Dosis seiner Lügen, je mehr er die Beherrschung verlor, mit immer größerer Geschwindigkeit erhöhte. 2017 gab er pro Tag im Schnitt sechs nachweisbare Lügen von sich. 2018 waren es knapp sechzehn. 2019 überschritt die Lügenzählung die Marke von täglichen 22. Das war noch vor der Corona-Pandemie, vor dem Zusammenbruch der Wirtschaft, vor den Demonstrationen gegen Rassismus, den Ausschreitungen.

Und wie soll man nun über Trump schreiben, der seine 280-Zeichen-Rasereien in diesen Tagen eskalieren lässt, als ginge es darum, andere niederzubrüllen, zu siegen in einem Krieg der Gemeinheiten? Er gieße Öl ins Feuer, kommentieren US-Journalisten; aber wie hilflos liest sich der in jahrzehntelangem Gebrauch stumpf gewordene Vergleich.

Indessen schlägt Trump mit Wörtern um sich, immer wütender, es ist ihm egal, ob er alle Würde verliert, er ist ein Junkie, der den nächsten Schuss braucht. Wer nicht gleichermaßen zurückschlagen will, steckt im Dilemma. Es gibt keine anständigen Wörter, die man den unanständigen Trumps noch entgegensetzen könnte, die ihm nicht auch längst vielfach entgegengesetzt wurden. Er hat immer RECHT. Immer RECHTER.

Dass sie im Recht sei, glaubte auch Amy C., die nicht hinnehmen wollte, dass ein dunkelhäutiger Mann sie bat („please“, sagte er, „please“), ihren Hund anzuleinen. Sie wählte den Polizeinotruf, sie zielte auf den anderen mit der Lüge: „Ein afroamerikanischer Mann bedroht mein Leben.“ Dies im Bewusstsein, dass die Wahrscheinlichkeit keineswegs gering ist, rassistische Polizisten anzufordern – mit unabsehbaren Folgen.

Zu ihrer Entschuldigung hat Amy C. jetzt gesagt, das seien doch bloß Wörter gewesen, „Wörter, die nur Wörter sind“.

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