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Die grüne Kandidatin fürs Amt der Bundeskanzlerin, Annalena Baerbock, sprach kürzlich das N-Wort aus, um seinen Gebrauch in einer Schulaufgabe als Beispiel für alltäglichen Rassismus zu kritisieren.
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Die grüne Kandidatin fürs Amt der Bundeskanzlerin, Annalena Baerbock, sprach kürzlich das N-Wort aus, um seinen Gebrauch in einer Schulaufgabe als Beispiel für alltäglichen Rassismus zu kritisieren.

Times mager

Rassistische Sprache: Was es am N-Wort schon lange nicht mehr zu analysieren gibt

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Fragen zur Ethik unserer Sprache sind jetzt auch im Wahlkampf angekommen. Wie man über Begriffe sprechen kann – und über Menschen nicht sollte. Eine Kolumne.

In diesem Text wird das „N-Wort“ kein einziges Mal ausgeschrieben, aus Rücksicht auf alle, die meinen, es sollte ganz und gar aus dem Sprachgebrauch verbannt werden. Allerdings wird es in diesem Text darum gehen, ob diese Ansicht (und die Rücksicht darauf) wirklich den angemessenen Umgang mit rassistischer Sprache darstellt. Ausgang offen.

Annalena Baerbock hat unlängst das N-Wort ausgesprochen, um seinen Gebrauch in einer Schulaufgabe als Beispiel für alltäglichen Rassismus zu kritisieren. Und sie hat sich dafür (für das Aussprechen, natürlich nicht für die Kritik) entschuldigt. Zu Recht?

Das N-Wort heißt jetzt „N-Wort“ – außer bei „metasprachlicher“ Verwendung, fordert eine Linguistin

Kristin Kuck, eine Magdeburger Sprachwissenschaftlerin, hat das N-Wort kürzlich ebenfalls ausgeschrieben. Allerdings hat auch sie das nicht etwa deshalb getan, weil sie zu denjenigen gehören würde, die sich für den rationalen Diskurs über eine diverse Gesellschaft disqualifizieren, indem sie den Rassismus ihrer Alltagssprache gegen jede Rücksicht auf die Betroffenen mit verdächtiger Leidenschaft verteidigen.

Kristin Kuck hat das N-Wort aus einem anderen, bedenkenswerten Grund ausgeschrieben. Sie befürwortet ausdrücklich seine Nicht-Verwendung, wenn es um die Beschreibung von Personen geht, denn alle (außer: siehe oben) wissen natürlich, dass alles andere rassistisch wäre. Kuck plädiert allerdings für das Ausschreiben bei der „metasprachlichen“ Verwendung des Wortes, auf Deutsch: wenn das Wort selbst zum Gegenstand des Diskurses wird, wenn „wir über unsere Sprache sprechen“ (Kuck).

Rassistische Sprache im Nachhall der Klagen von Rassismus Betroffener – ein verletzendes Echo

Die Linguistin gibt dazu einen interessanten Hinweis: Der Kode „N-Wort“ stigmatisiere zwar den Begriff in seiner ausgeschriebenen Form – „gleichzeitig bleibt es aber notwendig, das kodierte Wort zu kennen, um ihn zu verstehen“. Das sei „fatal“, denn „,das N-Wort‘ zu sagen, erweckt den Eindruck, man gehe auf Nummer sicher, wenn man nur hinter vorgehaltener Hand über den Rassismus des Wortes … spricht“. Dort, wo hier drei Punkte stehen, steht bei Kristin Kuck das N-Wort – ausgeschrieben. „Wir müssen“, schreibt sie, „rassistische Sprache zitieren und analysieren dürfen, um uns darauf verständigen zu können, dass sie nicht tolerabel ist.“

Wäre es nicht leicht, sich darauf zu verständigen? Ja, das wäre es – wenn das N-Wort nicht jeden Tag ohne Rücksicht auf seinen rassistischen Charakter (oder gerade wegen dieses Charakters) gebraucht würde. Dem treffenden und aufklärerischen Ansatz der Linguistin Kuck zum kritischen Entlarven des N-Worts stünde nichts im Wege, wenn es für Schwarze Menschen nicht wie ein Echo ihrer fortwährenden rassistischen Diskriminierung klingen müsste. (Stephan Hebel)

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