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Vor allem bodentiefe Fenster verkaufen sich gut im Immobiliengeschäft.
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Vor allem bodentiefe Fenster verkaufen sich gut im Immobiliengeschäft.

Times mager

Altbau mit Bergblick - und einem Makel

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Wenn Sie eine schöne Wohnung haben: Schleichen Sie sich ruhig mal ein beim Besichtigungstermin.

Eine Wohnung zu suchen, ist ein schönes Abenteuer, wenn man keine braucht. Wenn man eine braucht, ist es ein bisschen anstrengend, aber hier geht es um die Show. Schleichen Sie sich ruhig mal ein beim Besichtigungstermin. Gute Lage, innenstadtnah, ruhig, sanierter Altbau, Balkon. Und jetzt kommt’s, hier zitieren wir bereits den Makler oder die Maklerin: Sie kaufen hier nicht nur vier Wände oder 100 Quadratmeter Fußboden! Sie kaufen – die Maklerin oder der Makler zeigt feierlich auf die Einbauküche – zum Beispiel: das!

Wohnungssuche: Alles inklusive

Früher hätte der Makler oder die Maklerin an dieser Stelle die Stimme gesenkt und geraunt: „Dunstabzugshaube“! Heute dagegen: „Kochfeld mit integriertem Dunstabzug.“ Oder, man wird ja mal die Werbung zitieren dürfen: „Innovatives Dunstabzugssystem.“ Oder, noch schöner: „Neue Dimension von Freiheit. Ist schon drin in den siebenhunderttausend!“ Oder, okay, Sie wollen nur mieten: „Alles schon drin in den zwofünf. Kalt.“

Jetzt glauben Sie, das wäre schon alles, aber der Makler oder die Maklerin stellt sich vor ein bodentiefes Fenster und sagt: „Bodentief.“ Und dann, Achtung: „Feldbergblick!

Blick auf den Feldberg: Doch, doch, zumindest in der Theorie

Wenn Sie nicht aus Frankfurt am Main kommen, wird Sie das vielleicht wundern, denn beim Blick durch das Fenster sehen Sie eine Straße und auf der anderen Seite ein Haus. Das ist aber egal, denn das Fenster geht in die Richtung, wo hinter vielen anderen Häusern der Taunus liegt, gekrönt vom „Großen Feldberg“, und den würden Sie sehen, wenn da nicht diese ganzen Häuser wären, und wer würde für dieses Wissen nicht ein paar Kröten mehr hinlegen?

Dem Makler oder der Maklerin sollten Sie an dieser Stelle erläutern, dass Sie nicht mehr der Jüngste seien. Die Rente zeichne sich am Horizont bereits ab, und Sie hätten die feste Absicht, im Ruhestand bei gutem Wetter die Vorbeigehenden zu beobachten. Ihre Frau gehe zudem fest davon aus, dass Sie mit zunehmendem Alter immer häufiger Ausschau nach Falschparkenden halten würden, was durchaus der Wahrscheinlichkeit entspreche, vielleicht sogar schon gleich am Anfang.

Fenster bis zum Boden: Das geht so leider nicht - die Fensterbank zur Kissenablage muss sein

Bis hierhin wird die Maklerin oder der Makler noch lächeln, während sie oder er denkt „Was für ein verklemmter Geldsack“, durchaus leicht neidisch, denn niemand hat ja behauptet, dass jemand reich ist, nur weil er oder sie makelt, womöglich in prekärer Scheinselbstständigkeit. Der Makel, werden Sie dann sagen, seien die bodentiefen Fenster, denn Sie hätten nicht vor, Ihren Kontrollblick auf dem Bauch liegend schweifen zu lassen, eine Fensterbank als Kissenablage müsse es schon sein.

Anschließend gehen Sie besser, Sie haben ja bereits eine Wohnung. (Stephan Hebel)

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