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Wintergewitter

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Von: Christian Thomas

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Das Auto - Sommers wie Winters ein faradayscher Käfig. Winters jedoch stellt sich neben der Problematik der Identifikation allzu oft das Problem des Enteisens.
Das Auto - Sommers wie Winters ein faradayscher Käfig. Winters jedoch stellt sich neben der Problematik der Identifikation allzu oft das Problem des Enteisens. © Renate Hoyer

Das erklärt einiges: Wintergewitter entstehen nun einmal im Winterhalbjahr und ihre Entstehungsbedingungen sind prinzipiell dieselbe wie die eines Wärmegewitters, auch wenn im Winter häufig die Sonneneinstrahlung fehlt und in einer Winternacht grundsätzlich.

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Auch die Welt des Winters hat ihre festen Institutionen, angefangen mit Eis und Schnee, obwohl der Bürger rasch mit ihnen hadert, weil beide nur bei unerquicklichen Temperaturen auftreten. Gewöhnungsbedürftig ist es erst recht, wenn es bei Frost zu einem Gewitter kommt. Wenn während einer Winternacht ein Blitz aus dem Schlaf aufschrecken lässt, und da ist es für das pochende Herz gleichgültig, ob das Phänomen dann widersinnig erscheint, regelrecht unnatürlich, was es mitnichten ist, wenn man es recht bedenkt, aber dazu braucht es, während das Herz weiterhin schlägt, aber nicht mehr so pocht, einige Minuten der Bedenkzeit, das schon.

Denn Wintergewitter entstehen nun einmal im Winterhalbjahr und ihre Entstehungsbedingungen sind prinzipiell dieselbe wie die eines Wärmegewitters, auch wenn im Winter häufig die Sonneneinstrahlung fehlt und in einer Winternacht grundsätzlich. Über diese beiden Befunde hinaus beruht das Wintergewitter auf einer Zufuhr von Höhenkaltluft, die ganz entschieden polaren Ursprungs ist.

Das erklärt einiges. Wintergewitter treten am häufigsten in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden auf. Frankfurts erstes Winternachtgewitter 2016, da machte es keine Ausnahme, brachte den ersten Schnee mit sich. Man konnte ihm fabelhaft zusehen, wenn man aufstand, wenn man um Halbsechs ins Wohnzimmer ging, dann fiel er bereits rechter Hand vor dem Fenster nieder zur Erde. Ging man allerdings um Halbsechs in den Keller, aus Furcht vor weiterem Blitzen und Donnern, dann stand das Wintergewitter links über den Dächern des Viertels.

Links, rechts? Im ganzen Viertel sind sich die Bewohner einig, dass drei von vier Gewittern von Westen her kommen, und wenn sie schon mal dabei sind, dass sie das Viertel auch überrollen, dann geschieht es aus Richtung Fernsehturm, bevor sie über die Dächern des Viertels hinwegziehen, über das Dach des Hessischen Rundfunks, bevor sie über die Friedhofsanlagen davonziehen.

An diesem Wintergewittermorgen stand man sehr früh am Fenster und schaute hinaus. Man dachte: Wie bekommt man es um Halbneun im Auto schön warm? Sollte man Schneeketten für den Weg zur Arbeit anschnallen?

Nun, man sollte in Schnee und Wintergewitter nicht so viel hineingeheimnissen! Um Neun lässt man das Auto wie immer stehen, fährt mit der U-Bahn in die Firma, nicht ohne sich zuvor mit einer Straßenleuchte eine kleine Schneeballschlacht geliefert zu haben. Ja, was so alles zur Schlacht werden kann – auf jeden Fall die Laterne zum Blitzableiter.

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