Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht bei einer Landespressekonferenz zu Medienvertretern.
+
Winfried Kretschmann hat eigentlich keine Probleme mit der Polizei. Doch es gibt Ausnahmen.

Times mager

Winfried Kretschmann will sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
    schließen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Probleme mit gendergerechter Sprache. Und er hat schreckliche Angst vor der „Sprachpolizei“. Der Arme.

Der Schwabe, und das „der“ ist hier wörtlich gemeint, spricht gerne so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ war ja entgegen landläufiger Meinung gar kein Witz, jedenfalls nicht der zweite Teil.

Winfried Kretschmann (Grüne) steht mit der „Sprachpolizei“ auf Kriegsfuß

So weit ist alles gut, aber jetzt hat der Schwabe große Sorgen, vorneweg der ideelle Gesamtschwabe Winfried Kretschmann, der nun wirklich alles kann (er baut sogar die unmöglichsten Bahnhöfe). Was er nicht kann, ist Hochdeutsch. Und was er nicht abkann, ist die „Polizei“.

Bitte? Die Polizei? Keine Sorge, Kretschmann findet die Polizei sehr gut, seit er nicht mehr dem Kommunistischen Bund Westdeutschlands angehört, und das ist schon ziemlich lange. Die einzige Polizei, die er fürchtet, ist die „Sprachpolizei“. Sie wissen schon, das sind diese Irren, die uns Männer standrechtlich mit dem Genderstern erschlagen, wenn wir nicht dauernd von Frauen reden.

Winfried Kretschmann will so sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist

Kretschmann hat mit der Deutschen Presseagentur so gesprochen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und so haben wir erfahren, dass es ihm schwerfällt, von „Polizistinnen und Polizisten“ zu sprechen (ausgenommen wahrscheinlich Sprachpolizistinnen), und überhaupt: „Von diesem ganzen überspannten Sprachgehabe halte ich nichts“, von „Sprachpolizei“, wie gesagt, schon gar nicht.

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg findet es schon richtig, „darauf zu achten, dass wir in unserer Sprache niemanden verletzen“. Aber „jeder soll noch so reden können, wie ihm der Schnabel gewachsen ist“. Das ist eine sehr schöne, alle Widersprüche dialektisch auflösende Logik. Ungefähr so, als würde man fordern, beim Befahren von Spielstraßen Rücksicht auf Kinder zu nehmen, aber „jeder soll noch so schnell fahren können, wie ihm der Gasfuß gewachsen ist“.

Winfried Kretschmann (Grüne) feuert überdimensionierte Wortgeschütze wie „Sprachpolizei“ ab

Winfried Kretschmann ist ein nicht mehr ganz junger Mann, und jetzt wirklich im Ernst: Wer verstünde nicht, dass es ihm nicht leicht fällt, sich umzustellen (es sei denn, es geht um den Bau der unmöglichsten Bahnhöfe)? Aber eine Frage sei gestattet: Wenn es schon so schwer ist, die gendergerechte Sprache zu übernehmen, warum ist es dann so leicht, überdimensionierte Wortgeschütze wie „Sprachpolizei“ abzufeuern, als ginge es darum, einen AfD-Parteitag in Stimmung zu bringen?

In Hannover amtiert eine Parteifreundin von Winfried Kretschmann, Friederike Kämpfe, als Gleichstellungsbeauftragte. Sie hat in der Amtssprache ein mildes Gendern eingeführt, und über die Gegner ihres Vorhabens hat sie mal dem „Spiegel“ gesagt: „Ich frage mich, vor welchem Privilegienverlust diese Menschen eigentlich Angst haben.“ Aber das war Hochdeutsch. (Stephan Hebel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare