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Ausgeprägte Willkommenskultur: Was so alles in den Duden aufgenommen wird.

Deutsche Sprache

Willkommenskultur in der Dudenredaktion

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Der Duden erscheint nicht einfach nur so. Jede Neuauflage wird begleitet von einer allgemeinen Selbstvergewisserung über Sprache und Sprachgebrauch.

Ja klar, auch der Duden geht mit der Zeit. Man kann auf der Suche nach der richtigen Rechtschreibung unter www.duden.de nachschlagen und findet unbürokratische Hilfe. Nicht nur bezüglich der richtigen beim Schreiben zu verwendenden Reihenfolge der Buchstaben. Das digitale Nachschlagewerk ist auch ein großzügiger Lieferant von Bedeutung. Definitionen, Worterklärungen, alles was man so braucht und wonach man in der alltäglichen Kommunikation oft nicht mehr zu fragen wagt. Aber trotz der digitalen Zugänglichkeit bezieht der Duden als fortgeschriebenes Standardwerk der deutschen Rechtschreibung seine kulturelle Bedeutung noch immer aus dem großen gelben Druckerzeugnis. Und so erscheint auch die 27. Ausgabe des Dudens, die ab Mittwoch erhältlich ist, als stolzes Relikt eines bedrohten Kulturprodukts.

Der Duden erscheint nicht einfach nur so. Jede Neuauflage wird begleitet von einer allgemeinen Selbstvergewisserung über Sprache und Sprachgebrauch. Der Eintrag von bislang nicht aufgeführten Wörtern in das Nachschlagewerk wird mitunter verhandelt, als ginge es um die Aufnahme eines neuen Mitglieds in eine wissenschaftliche Akademie. Das Gedränge ist groß, über 5000 bislang nicht berücksichtigte Wörter haben Eingang gefunden, darunter viele, die sich auf die Sprachschöpfungswut im Umgang mit zeitgenössischen und politischen Themen beziehen.

In Würde Staub ansetzen

Man könnte gar von einer ausgeprägten Willkommenskultur in der Dudenredaktion sprechen, wenn man sich damit nicht bereits mitten in der Frage nach den Kriterien für die Neuaufnahme befände. Willkommenskultur nämlich ist ebenso dabei wie die Wörter und Begriffe postfaktisch, Darknet, Flüchtlingskrise, Selfie, Schmähgedicht und liken, aber auch Veggie, icke, rumeiern, Bierdusche, Fake News, Emoji, Späti und Arschrunzeln.

Arschrunzeln? Es ist schon bemerkenswert, wie elegant und selbstbewusst die Dudenredaktion sich dem letztlich nicht zu lösenden Problem stellt, zwischen sprachlicher Relevanz und dem Bedürfnis, umgangssprachlich einigermaßen auf der Höhe zu sein, zu unterscheiden. Das Gewimmel der Wörter mag Freude bereiten oder Ärger hervorrufen, wenn man die Aufnahme in das Buch der Bücher als eine Art der besonderen Qualifikation betrachtet. Die größte Genugtuung könnte für den leidenschaftlichen Benutzer von Sprache doch darin bestehen, dass es das gute Stück im Regal immer noch gibt und es dort in Würde Staub ansetzen darf.

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