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Ein Monument nahe des ehemaligen Sklavenmarktes in Stonetown (Sansibar) erinnert daran, dass Sansibar der größte Umschlagplatz für Menschen aus ganz Ostafrika war, die als Sklav*innen verkauft wurden. (Archivbild)
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Ein Monument nahe des ehemaligen Sklavenmarktes in Stonetown (Sansibar) erinnert daran, dass Sansibar der größte Umschlagplatz für Menschen aus ganz Ostafrika war, die als Sklav*innen verkauft wurden. (Archivbild)

Times mager

Wiedervorlage

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Vor 150 Jahren fiel der berühmte Satz „Doctor Livingstone, I presume?“. Ungemein witzig, aber so witzig dann auch wieder nicht.

Heute vor 150 Jahren fiel einer der berühmtesten Sätze in englischer Sprache, und natürlich handelt es sich nicht um den Satz „To be, or not to be, that is the question“, sondern um den Satz: „Doctor Livingstone, I presume?“, Dr. Livingstone, nehme ich an. Der walisische Journalist und Afrikareisende Henry Morton Stanley (1814–1904) sagte dies, so erzählte er später, zu dem Missionar und Afrikareisenden David Livingstone (1813–1873) am 10. November 1871 in Ujiji im heutigen Tansania. Zuvor hatte Stanley im Auftrag der „New York Herald“ monatelang im großen Stil (dazu gehörte ein Gefolge von fast 200 Mann, es gab viele Tote, andere machten sich davon) nach dem Verschollenen gesucht. So dass ein noch heute sich vermittelnder toller Kontrast entsteht zwischen dem zehrenden Aufwand und der Länge der Unternehmung sowie einer Alltagswendung, die man auch im Foyer eines Hotels in Kensington benutzen wird, wenn man den Bekannten eines Bekannten abholt.

Die Wiedervorlage ist gleichwohl mit Unbehagen verbunden. Livingstone und Stanley waren bei allem Eigensinn im Zuge der aufblühenden Kolonialisierung unterwegs, Livingstone als Gegner des Sklavenhandels, wie man liest, Stanley hingegen als das, was man als harten Knochen bezeichnet. Sein „Doctor Livingstone, I presume?“ hatte ihn berühmt gemacht. Da Livingstone inzwischen tot war und die afrikanischen Anwesenden – auf den Bildern stets das stumm gaffende Publikum –, nicht befragt wurden, gibt es keine Zeugen für diese Präsentation eiserner Nerven und britischer Coolness. Die insofern auch einfach der Feder des Journalisten entflossen sein könnte.

Aber nicht deshalb, sondern trotzdem – denn der Satz ist witzig, sehr witzig – ist Stanley eine Schande für unseren Berufsstand. Denn er trat nun weitere Touren an, diesmal im Auftrag des belgischen Königs Leopold II., und er wurde zum Agenten belgischer Interessen und buchstäblich zum Wegbereiter für die entsetzliche belgische Kolonialherrschaft. Zivilisation tut sich als Begleiterin der Schrecken der Menschheit hervor. Ein scheußlicher Eindruck, immer wieder enttäuschend.

Jetzt schnell „Tristan und Isolde“ auflegen, oder nein, bloß nicht. Schauen wir besser auf das „tägliche Briefing“ von „Microsoft Viva“, das uns heute erstmals erreichte. Hier findet sich unter dem Punkt „Verpflichtungen und Nachverfolgungen“ ebenfalls eine Wiedervorlage, nämlich folgender Hinweis: „Sie fragten vor 6 Tagen: ,Ist es eine Sucht?‘“ Echt? Es zeigt sich, dass dies eine Frage aus Hanns-Josef Ortheils Buch „Ombra“ ist, in einem auf Word abgespeicherten Text zitiert. Es ist weiß Gott nicht die einzige Frage in diesem Text und diesem Zitat. Offenbar ist es die einzige, unter der sich der arme, kleine Rechner etwas vorstellen konnte. Kann ich nachvollziehen. Aber: „Ist dies hilfreich?“ Hier kommen wir allmählich zum Punkt.

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