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Bereits die Nordseepassage war ein Abenteuer, der Atlantik die Ungewissheit schlechthin: Wilhelm Raabe hatte die Auswanderer, die sich nach Amerika einschifften, zeitlebens vor Augen.
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Bereits die Nordseepassage war ein Abenteuer, der Atlantik die Ungewissheit schlechthin: Wilhelm Raabe hatte die Auswanderer, die sich nach Amerika einschifften, zeitlebens vor Augen.

Times mager

Weserroute

Ein weiterer Grund, Wilhelm Raabe neu zu entdecken: das Thema Migration in seinem Werk.

Die Weser war mit der Welt verbunden. Die Raddampfer, auf ihrer Fahrt zur Nordsee, verwiesen auf einen Aufbruch. Der Abschied war gemacht, der Auftakt in Angriff genommen, auf der Weser wurde Anlauf genommen zur großen Überfahrt. Nach Amerika!

Zum Schulfenster hinaus schaute das Kind Wilhelm den Auswanderern zu, vom Weserstrand aus eine Romanfigur Wilhelm Raabes Menschen, die sich gegen das Bleiben entschieden hatten, so dass sie zwischen Koffern und Kisten, viel wird es nicht gewesen sein, flussabwärts unterwegs waren, Richtung Bremerhaven, wo sich Zehntausende Auswanderer einschifften. Bereits die Nordseepassage war ein Abenteuer, der Atlantik die Ungewissheit schlechthin.

Wilhelm Raabe kam auf den Strom der Auswandernden mit 23 zurück, der Debütant in seinem Erstlingswerk „Die Chronik der Sperlingsgasse“, wenn er und weil er schrieb, dass es nicht mehr „die fremden Leichen“ seien, die der Fluss zur Nordsee trage, nicht mehr die Toten einer geschichts-trächtigen Weltgegend, darunter Germanen und Römer, später die Opfer der Neuzeit, des Dreißigjährigen oder des Siebenjährigen Krieges. Nicht allein der Rhein wurde zu dem, wozu ihn exzessive Gewalt und exzessive Worte machten, ein „deutscher Schicksalsstrom“. Der Rhein war mitreißend genug, um im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts romantisch verklärt und kriegerisch verehrt zu werden. Zu einer Zeit, als er von Patrioten zum Frontverlauf gegen den „Erbfeind Frankreich“ deklariert wurde, ging im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts der Realist Raabe daran, den Blick auf die Weser zu richten.

Raabe war kein Anhänger von Heimatkünstelei. Nicht weniger vehement stellte er in Abrede, auch nur jemals und „überhaupt je eigene Erlebnisse dichterisch verwertet zu haben“. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, so sollte es für jeden Raabetatort gelten, wären rein zufällig. Was für den Autor Raabe eine literarische Herausforderung war (ohne eine juristische zu werden), hat Raabeforscher zu einer kriminalistischen Spurensuche herausgefordert.

Fährten führen auf diesem Weg zum Kind, dem Knaben Wilhelm Raabe – wie natürlich auch zum Autor, und wie er auf die Weser schaute, allerdings nicht nur versonnen. Vaterländisch aber auch nicht, wie so viele auf den Rhein, denen der Fluss eherne Grenzziehung bedeutete. Anders die Weser Raabes, der den Fluss vor der Haustür aus Kindertagen neu vermaß, als Anbahnung einer Grenzüberschreitung.

Raabe machte die Weser zu einem besonderen Thema, zu einem Deutschlandthema. So groß die Hoffnung für die Emigranten, sich in eine neue Welt einzuschiffen, in eine bessere Welt zu flüchten, so war Raabes Weserroute eine aus „Not, Elend und Druck“.

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