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Immerhin haben CDU und CSU ihre Denkwerkstatt „Werkstatt“ und nicht „Workshop“ genannt.

Times mager

Werkstück „Abschiebung“

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Die Unionsparteien laden zur Gruppenarbeit über das Thema Abschiebung ein. Hierzu Details, die das Times mager selbst erfunden hat.

Auf jeden Fall ist es zu begrüßen, dass CDU und CSU ihre Denkwerkstatt „Werkstatt“ genannt haben und nicht „Workshop“. Das hatte die ebenfalls zu begrüßende Folge, dass sich, so erfuhr es das Times mager aus einer ihm vorliegenden Zeitung, dort unter anderem die „Werkstattgruppe Abschiebung“ traf.

Eine Formulierung, die jeden Menschen guten Willens sofort den sympathisch offenen Charakter dieses Unterfangens spüren lässt. Wo, wenn nicht in einer Werkstatt, besteht die Hoffnung, dass das Produkt (Abschiebung) von kundiger Hand und unter Nutzung aller verfügbaren Werkzeuge vollendet wird? Und wo, wenn nicht in einer Gruppe, werden handwerkliches Können und Intelligenz der Beteiligten so gebündelt, dass in das Werkstück „Abschiebung“ noch mehr Fertigkeiten eingehen, als selbst die Summe der individuellen Potenziale sie erbracht hätte?

Wie zu erfahren war, spielte der humane Aspekt bei der Gruppenarbeit eine große Rolle. So sei der Vorschlag, jedem, der freiwillig ausreist, einen Euro-4-Diesel zu einem symbolischen Preis anzubieten („Der Afghane kennt keine Grenzwerte“), nur äußerst knapp gescheitert.

Nach geheimen Informationen, die das Times mager selbst erfunden hat, soll das Prinzip der „Werkstattgruppe Abschiebung“ sich nun wie ein Lauffeuer verbreiten. Schon twitterten junge CDU-Abgeordnete unter dem Hashtag #Wegkommenskultur einen Aufruf, der das deutsche Volk zur Gründung derartiger Gruppen in Stadt und Land aufruft.

Jeder, heißt es dort, könne mitmachen und seinen Teil zur gelingenden Abschiebung in Nord und Süd, Ost und West beitragen. Warum benenne sich nicht der eine oder andere Stammtisch um? Warum nicht dem darbenden Bibelkreis eine ganz neue Sinnstiftung geben? Wer sage, dass die örtliche Fußballmannschaft nicht als Werkstattgruppe Abschiebung fungieren könne, sobald sie die Stollenschuhe nach dem Training an den Nagel gehängt hat?

Besondere Fertigkeiten, heißt es in dem Aufruf, seien nicht erforderlich. Es gehe darum, im Gruppengespräch einen Beitrag zur Abschiebekultur zu leisten. Menschen beiderlei Geschlechts und voll integrierte Ausländer seien, so wörtlich, „willkommen“.

Wie verlautet, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel über interne Kanäle noch versucht, dem Projekt den Titel „Werkstattgruppe Rückführung“ zu geben. Sie habe betont, dass „Rückführung“ zwar genau das Gleiche sei wie Abschiebung, „aber irgendwie liberaler klingt“. Die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer habe dagegen argumentiert, genau darin bestehe ja das Problem. Dann habe sie ihre Vorgängerin ausgeladen.

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