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1 Edgar-Wallace-Krimi für 1 Strandtag.
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1 Edgar-Wallace-Krimi für 1 Strandtag.

Times mager

Von Werbetextern und Buchhandlungen

Ein altes Goldmann-Taschenbuch dokumentiert: Werbung trat früher in vollständigen Sätzen auf.

Als Taschenbücher noch jung waren und ihre sorglose Handhabung Leserinnen und Leser entspannte und in einen angstfreien Zustand im Umgang mit Literatur versetze, wurden sie entsprechend selbstbewusst beworben. Es war dies eine Zeit, in der Werbung noch überwiegend in vollständigen Sätzen auftrat. Den Werbetextern saß der Deutschlehrer im Nacken, auch hatten sie wohl den Eindruck, sie müssten Auskunft geben.

Darum lesen wir in einem vorzeitlichen Goldmann Taschenbuch (o. D.): „Alle Buchhandlungen sowie die Bahnhofsbücherstände führen Goldmanns Taschenbücher in großer Auswahl.“ Falls es noch Ungewissheiten gibt: „Überall dort, wo deutsche Bücher verkauft werden, sind Goldmann-Bücher vorrätig.“ Aber ist jetzt auch wirklich alles klar? „Nach den Büchern fragen Sie bitte bei Ihrer Buchhandlung oder bei einer Bahnhofsbuchhandlung, die Ihre Wünsche jederzeit erfüllen können.“

Sobald man sich nun davon erholt hat, was für eine Rolle Bahnhofsbuchhandlungen einst spielten, und sobald man nicht mehr vor sich hinmurmelt, dass früher alles besser war – denn offensichtlich war früher nicht alles besser, außer das Buchsortiment in der Bahnhofsbuchhandlung, vielleicht –, kann man sich den einzelnen Reihen zuwenden. „Goldmann Taschen-KRIMI sind so sehr bekannt, dass sie einer besonderen Empfehlung kaum mehr bedürfen.“ Denn: „Der Verlag achtet mit Umsicht und Sorgfalt darauf, dass nur solche Kriminal-Romane aufgenommen werden, die moralischen Maßstäben standhalten und literarischen Ansprüchen genügen. Mit Recht wird gesagt: Wer Goldmann-Taschen-KRIMI liest, zeigt, dass er auf Niveau achtet.“

Goldmanns WELTRAUM-Taschenbücher

Nicht weniger Umsicht und Sorgfalt wird Goldmanns WELTRAUM-Taschenbüchern zuteil, eine „neuartige Reihe auf dem deutschen Buchmarkt. In diesen Romanen und Erzählungen werden keine haltlosen Phantastereien vermittelt, sondern wissenschaftlich begründete Ausblicke in die Welt von morgen. Nur die Werke der besten internationalen Autoren von Science-Fiction-Literatur erscheinen in dieser Reihe.“ Es ist also nicht nur die einst jedenfalls fabelhafte Auswahl in den Bahnhofsbuchhandlungen, die melancholisch stimmt, sondern auch die Vermutung, dass Leser die Sorge haben könnten, bei der Lektüre unter Niveau zu geraten. Eine delikate Angelegenheit, die sie zugleich ja herbeisehnen, wie jedermann bestätigen wird, der in einer Phase seines Lebens 1 Edgar-Wallace-Krimi an 1 Strandtag gelesen hat. Mindestens 1, 1 Edgar-Wallace-Krimi also. Diese erschienen durchaus bei Goldmann und müssen den Leser, der in der Krimireihe inzwischen zu hohe Ambitionen fürchtet, nicht bange machen.

Der Ton solcher Werbemaßnahmen ging später verloren, und er war ja auch etwas langweilig. Erst als er jetzt in einer Wendung des Suhrkamp-Kataloges für den Herbst unversehens wieder auftauchte, zeigte sich seine Schönheit und bezwingende Vernunft. „Die-Peter-Handke-Bibliothek ist für Leser unumgänglich.“ Ja, dann.

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