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Times Mager

Wembleytor

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Neuer schraubt sich in die Luft, doch er greift vergeblich nach der Kugel. Und während er hinabsegelt, schaut er über seine linke Schulter. In seinem Gesicht die Gewissheit. Der Ball ist drin. Von Christian Thomas

Welches Feld sollte für das Langzeitgedächtnis der Menschen besser geschaffen sein als das Fußballfeld? Wo tummeln sich die Erinnerungen heftiger als im Strafraum? Wo tanzen Meinung und Gegenmeinung die tollsten Kapriolen? Einst war es ein weißer Kreidestrich.

Gestern war es die Linie, die für das Match England gegen Deutschland gezogen worden war, wahrscheinlich erneut von langer Hand. Denn wie sonst lässt sich erklären, dass eine Linie in den gestrigen Nachmittagsstunden erneut zum Schauplatz wurde, auf den alle Welt noch in 44 Jahren blicken wird, in Erinnerung an den Klassiker Deutschland gegen England, weil es zum Wiederauftritt des "Wembleytors" von 1966 kam.

"Wembleytor", so stöhnte auch das Sonntagsteam im FR-Newsroom auf. "Wembleytor", so ging die Emotion hoch an einem Ort, der auf besondere Weise von den Nachrichten der Welt abhängig ist, der an den Aktualitäten hängt wie an einer Nabelschnur, um einen Sekundenbruchteil, gestern, dennoch historisch auszukosten.

"Wembleytor"? Neuer schraubte sich in die Luft, doch griff er vergeblich nach der Kugel. Und während er hinabsegelte, schaute er über seine linke Schulter, die drei Adidasstreifen hinab. So war auch für unsere Nummer 1 zu sehen, wie der Ball die Linie überschritten hatte. Nein, keine Schreckensstarre im Gesicht des Tormanns, vielmehr die Gewissheit, dass ihm die Engländer ein zweites Tor über die Linie gedrückt hatten. So wie Neuer, während der Körper des Keepers zwischen Himmel und Erde schwebte, ausschaute, hatte er mit der Zuversicht abgeschlossen.

Und doch: Kein Tor, sagte der Schiedsrichter. Müssen wir deswegen spekulieren? Dürfen wir annehmen, dass auch der Schiri sich sagte: "Wembleytor"! Um, seiner inneren Stimme wie einem historischen Gewissen folgend, dem einst Benachteiligten endlich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn jetzt müssen wir uns damit abfinden, dass die Engländer einfach einen gut haben, und sei es im Juni 2054. Ganz abgesehen davon, dass zur ganzen Wahrheit auf immer und ewig Neuers Gesicht gehören wird, der Pragmatismus eines Profis.

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