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Weena

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Von: Thomas Stillbauer

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In „Die Zeitmaschine“ spielte Yvette Mimieux die blonde Weena. 1986 heiratete sie Multimillionär Howard F. Ruby. Am 18. Januar 2022 verstarb die Schauspielerin.
In „Die Zeitmaschine“ spielte Yvette Mimieux die blonde Weena. 1986 heiratete sie Multimillionär Howard F. Ruby. Am 18. Januar 2022 verstarb die Schauspielerin. © Ralph Dominguez/Imago

Von Zeitreisenden, die dann doch nicht auftauchen, und Dingen, die man verbessern könnte, wenn man es denn könnte.

Um kurz auf das neue Jahr zurückzukommen – solange gerade mal Januar ist, wird man ja wohl das Jahr noch neu nennen dürfen. Eine schöne Tradition besteht darin, neue Jahre mit dem Film „Die Zeitmaschine“ (1960) anzukurbeln und dazu die Suppe zu genießen, die vom Fondue am Vorabend übrig geblieben ist.

In dem Film wie auch im zugrunde liegenden Roman von H. G. Wells (1895) versammeln sich fünf Herren am Silvesterabend (1899) und sind mehrheitlich der Überzeugung, Zeitreisen seien eine Münchhausiade, außer George (Rod Taylor), der alsbald in der Zeit davonreist. Einige Kriege und Weltuntergänge später landet er in einer Zukunft, die bei genauer Betrachtung auch nichts taugt. Es gibt zwar kein Corona, aber die Bevölkerung setzt sich zu einem Teil aus grässlichen Monstern und zum anderen aus schönen Doofen zusammen. Insgesamt also kein Fortschritt gegenüber heute.

An der Geschichte verblüfft, dass George am Silvesterabend selbst noch total gespannt ist, was passieren wird. Ein Zeitreisender müsste doch über das komplette Weltwissen verfügen, egal wann er losreist, denn in der Zukunft wird er doch wohl mal kurz in der Vergangenheit gewesen sein, Lottozahlen gucken, Hochzeitstage nicht vergessen, Elfmeter halten, solche Sachen.

Diese Paradoxie war auch viele Jahre später zu bestaunen, als drei deutsche Abenteurer – ein Physiker, ein Ingenieur und ein Ex-Manager – endgültig herausfinden wollten, ob es möglich sei, durch die vierte Dimension zu flitzen. 2022 jährt sich zum zehnten Mal der Tag, an dem der Zeitreisende (Temponaut genannt) verabredungsgemäß eintreffen sollte, aber nicht erschien. Schade. Von den drei Leuten, die das Ganze angezettelt hatten, war seither nichts mehr zu hören. Vielleicht kam der Temponaut einen Tag früher und hat sie mitgenommen.

Die Frage, warum wir nicht längst wissen, dass es möglich ist, in der Zeit zu reisen, falls es möglich ist, in der Zeit zu reisen, beantworteten die drei Herren damals so: Vielleicht seien die Leute aus der Zukunft längst hier gewesen, hätten uns aber nichts verraten. Im Zweifelsfall besser so.

Auch George verändert im Film „Die Zeitmaschine“ nicht die Vergangenheit, saust aber am Ende zurück in die Zukunft, um die blonde Weena (Yvette Mimieux) vor den Morlocks zu retten. Zum Glück. Später (beziehungsweise früher) wird sie die erste Frau im US-amerikanischen Fernsehen, deren Bauchnabel zu sehen ist. Womöglich wüsste man sonst heute noch nicht, ob Frauen Bauchnabel haben. Yvette Mimieux drehte zwanzig Filme, bis sie 1986 den Multimillionär Howard F. Ruby heiratete, danach zwei Filme. Ihr letzter Film ist dreißig Jahre alt. Geld besiegt Zeit.

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