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Idylle in der Schweiz - doch mit aufsteigenden Hubschraubern ist stets zu rechnen!
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Idylle in der Schweiz - doch mit aufsteigenden Hubschraubern ist stets zu rechnen!

Times mager

Wecker

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Schön ruhig hier, sieht man von Geplapper, Presslufthammer, Laubbläser, Kettensäge und Hubschrauber ab.

Falls sich aus einer erheblichen Kurtaxe schließen lässt, dass es sich beim Schweizer Urlaubs- um einen Kurort handelt, dann haben sie hier originelle Vorstellungen von einem solchen. Besonders in einer herrlichen Oktoberwoche, in der die Sonne zwar nicht mehr vor 9 Uhr den Hals über den Berg recken kann, dann aber zuverlässig in saftigblauem Himmel steht bis kurz vor 16.30 Uhr. (Um 16.30 Uhr gilt nun auf der anderen Seite: der Berg ist zu hoch oder die Sonne zu niedrig. Beziehungsweise beides.)

Die Woche ist wie gemacht für allfällige Vor-Winter-Arbeiten. Der Nachbar links lässt sein Haus streichen, die Maler auf dem Gerüst haben sich viel zu erzählen. Der Nachbar rechts baut wohl größer um, es klingt wie ein Presslufthammer. Die Gemeindegärtner werfen die Grasschneidemaschinen an und gehen alle Straßenränder ab. Für Büsche, die im Sommer entstanden sind, wo sie nicht hätten entstehen dürfen, ist ein Kollege mit Kettensäge dabei. Als dritte Stimme fehlt nur die des Laubbläsers, aber es sind ja erst geschätzte 20 Prozent der Blätter gefallen. Die Männer tragen alle einen Gehörschutz, das leuchtet ein.

So schauen sie nicht auf, als ein Hubschrauber über sie hinwegfegt. An den Talhängen wird eifrig renoviert oder neu gebaut. Wo schmale Sträßchen hinaufführen, lässt man inzwischen lieber den Hubschrauber kommen. Auf einer Wiese direkt neben dem Ort heben die Piloten um 7.30 Uhr zum ersten Mal ab. Für Samstag scheint es eine Bestimmung zu geben, dass es nicht vor 8 losgehen darf.

Das, so hat gerade das Baurekursgericht des Kantons Zürich entschieden, hat auch für Hühner und Hahn zu gelten. Ein Schweizer klagte gegen einen Nachbarn wegen „störender Immissionen“, ausgehend von einem Stall mit 15 Seidenhühnern und einem Hahn. Die Lautäußerungen des Letzteren seien „durchdringend, alarmierend und sehr laut“. Das Baurekursgericht entschied: Unter der Woche von 22 bis 7 Uhr, am Wochenende bis 8 Uhr seien die Tiere im Stall zu halten. Zudem muss der Hahn abgeschafft oder der Stall schallisoliert werden. Dessen Wände seien so dünn, „dass die Lärmimmissionen des Hahns so nicht deutlich verringert werden könnten“. Es sei auch „durchaus plausibel“, dass ein Mensch ein größeres Ruhebedürfnis habe als ein Hahn. (Hat man den Hahn auch gefragt?)

Für morgen ist wieder das schönste Wetter angekündigt. Die Urlauberin weiß, dass sie jedenfalls keinen Wecker brauchen wird. Nach dem Frühstück wird sie sich in ihren umweltschädlichen Diesel setzen und ins hinterste Eck des Tals fahren, dahin, wo es still ist.

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