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Gibt es eigentlich die Zeit?
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Gibt es eigentlich die Zeit?

Times mager

Im Wechsel

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Gibt es eigentlich die Zeit? Diese Frage des Philosophen Hans-Georg Gadamer stellen sich gerade zu Jahresbeginn viele.

Sachdienliche Hinweise zur Zeit, zu ihrem Wesen, erhofft sich der Zeitgenosse gern zum Jahresbeginn. Zur Sache aber zählt unabweisbar, dass damit die Fragen beginnen, und darunter ist eine, die, bewusst einfach formuliert, im Jahr 1965 der Philosoph Hans-Georg Gadamer (1900 – 2002) gestellt hat: „Gibt es eigentlich die Zeit?“

Es gibt wohl leichtere Fragen, und zu den Antworten darauf ist zu sagen, dass es Tausende gibt, wobei die Vielzahl, sobald man grob vorgeht, auf einen großen Gegensatz hinausläuft. Wirklich kein Vorbeikommen gibt’s am objektiven Zeitverständnis der Naturwissenschaften. Dem gegenüber besteht ein philosophisch-spekulativer Zeitbegriff, der Gadamer interessierte: „Gibt es die Zeit? Schon Aristoteles berührt diese Frage, wenn er anmerkt, dass die Bestimmung der Zeit, die er gibt, das Gezähltsein der Bewegung, die gezählte Folge von Jetzten, in denen sich die Bewegung ausfaltet, das Sein der zählenden Seele impliziert.“

Auf das neue Jahr zu zählen wie auf eine endlich bessere Zukunft, ist nicht originell. So wenig wie der Gedanke, die gezählte Zeit sei wie das Ticken einer Uhr. Einer Bombe? Gadamer wäre nicht (der große Existenzdenker) Gadamer, wenn er nicht darauf hinwiese, dass die Realität der Zeit in einem unaufhörlichen Fließen bestehe, in einem Kontinuum, dessen Wahrheit sich als eine perfekte Konstruktion erweise. Mit der sich nämlich die Realität offenbare, dass „im Vergehen immer auch Werden, im Werden immer auch Vergehen gewahrt“ werde. Übertrieben? Oder gar falsch?

Ein gutes neues Jahr: Der Wunsch ist pompös, und der Gedanke, zumal der Wunsch all inclusive, irre! Sollte es deshalb besser heißen: Auf gute neue Jetzte? Gadamer wäre nicht (der große Seinsphilosoph) Gadamer, wenn er nicht auf die das Sein grundlegend ausmachende Unmöglichkeit hinwiese, ein Jetzt zu bestimmen. Auf gute neue Jetzte! Mit diesen Gedanken ließe sich anders leben.

Oder doch nicht? Wo es doch zum Jetzt gehört, dass es in dem Augenblick, wo man seiner habhaft werden möchte, bereits vergangen ist. Immerhin so viel ist gewiss: Ein Tag hat 86 400 Sekunden. Was bedeutet das für ein Leben im Hier und Jetzt? Wie anstrengend wird das, auf ein Jahr berechnet? Aristoteles dachte die Zeit als eine Bewegung im Raum, und daran knüpfte auch Gadamer an: Zeit sei erfahrbar nur durch die Bewegung, ihre Wirklichkeit bemesse sich allein am Nichtstillstand. Ihr tieferer Sinn nicht durch ein Verharren im Jetzt. Das scheint plausibel. Aber was folgt daraus?

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