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Der liebe Gott hat nicht mehr komplett alles im Griff.

Times mager

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Hat er es im Griff? Oder nicht mehr? Die Meinungen gehen auseinander.

Die halbe Welt geht – zurecht oder nicht – davon aus, dass es der liebe Gott nicht mehr komplett im Griff hat. Allmächtig und so, Pustekuchen, heißt es. Na gut, halbe Welt ist ein bisschen übertrieben. Wo er nicht lieber Gott (oder einfach nur salopp: Gott) genannt wird (oder: ach Gottchen), sondern ganz anders, da nimmt man schon noch an, dass er alles souverän lenkt und gar am Ende jede Menge Belohnungen herüberwachsen lässt, unter bestimmten Umständen, in gewissen Kreisen.

Bei uns Christen hat er freilich ein paar Vorschusslorbeeren eingebüßt. Das muss man leider so hart sagen. Wenn wir uns die Welt einmal ohne Oblaten vor den Brillengläsern angucken, wie es da teilweise aussieht, was da an bösen Sachen passiert – da drängt sich längst die Frage auf: Erreicht der werte Herr sein Team noch? Kann er noch reagieren? Hat er Lösungen für die verfahrene Situation parat? Oder hält er stur an seiner Taktik fest? Wenn ihm nicht schnell etwas einfällt, sagen die Kritiker, dann gute Nacht. Dann finden wir uns ganz schnell in der zweiten Liga wieder. Absteiger. Gespött des Universums. Heiland-raus-Rufe werden lauter.

Aber unterschätzt ihn bloß nicht! Unlängst trug sich nämlich eine Geschichte zu, die großen Respekt abnötigt. Sie ist wirklich passiert, und sie ging so.

Frau A. aus F. spielte schon seit langer Zeit mit dem Gedanken, der Kirche Lebewohl zu sagen. Jahre, Jahrzehnte zogen ins Land, aber sie kam einfach nicht dazu, ins Bürgeramt zu gehen, um den Schritt offiziell zu machen. Der liebe Gott hatte also reichlich Zeit, ein paar Dinge in Ordnung zu bringen, damit Schäfchen A. alles überdenkt und doch noch in seinem Verein bleibt.

Tat er aber nicht. Also machte sich Frau A. unlängst tatsächlich auf den Weg, nach all den Jahren, fasste Mut, begab sich vor den Eingang der Behörde und – hä? Tür zu. Schild dran: „Bürgeramt geschlossen. Aufgrund stadtweiter technischer Probleme …“ Und da muss man jetzt kein völlig verklärter Kleriker sein, um zu sagen: Hut ab, Herrgott noch mal. Da kann der Globus am Rande des Abhangs kippeln – wenn es für seinen Verein eng wird, kennt der Dreifaltige doch noch den einen oder anderen Trick, den ihm so leicht keiner nachmacht. Computer-Hacker, ja? Hahaha. Wer das glaubt, der glaubt auch noch, mit Internet sei das Leben leichter.

Am nächsten Tag funktionierte übrigens alles wieder auf den Ämtern. Da hatte Frau A. aus F. aber keine Zeit. Als ob der Herr im Himmel das nicht gewusst hätte. Beziehungsweise: die Dame. Wer weiß das schon.

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