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James Blunt kann nett sein, aber auch kräftig schimpfen.
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James Blunt kann nett sein, aber auch kräftig schimpfen.

Times mager

Sie Wazzock!

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Eine Streiterei zwischen dem Popmusiker James Blunt und dem Labour-Politiker Chris Bryant dient nicht zuletzt der Wortschatzerweiterung im Bereich Beschimpfungen.

Bei einer Umfrage des Musikmagazins „Rolling Stone“ wurde „Your’re Beautiful“ von James Blunt zum siebtnervigsten Lied aller Zeiten gewählt. Es ist das Lied mit diesem Refrain: „You’re beautiful. You’re beautiful. You’re beautiful, it’s true.“ (Du bist schön. Du bist schön. Du bist schön, es stimmt.) Eine gewisse Berühmtheit hat aber jetzt dank James Blunt das ganz anders geartete Wort „wazzock“ erlangt, eine mittelstarke Beschimpfung – Dummkopf vielleicht? – wie twit, pillock, wally, plonker (so die Tageszeitung „Guardian“ erklärend zur wazzock-Affäre, da das offenbar kein häufiges Wort ist).

Einen wazzock hat Blunt in einem offenen Brief den Kulturschattenminister der britischen Labour-Partei genannt, Chris Bryant. Außerdem einen „classist gimp“, einen klassenbewussten Trottel. Oder so ähnlich. Bryant, ein Waliser aus, wie man elegant sagt, bescheidenen Verhältnissen, hat in der Kultur eine größere Vielfalt angemahnt unter den Akteuren. Und dabei die Namen zweier Künstler, unglücklicherweise lediglich zweier Künstler genannt als Beispiel für WASP-Privilegierte: den Schauspieler Eddie Redmayne, der gerade als Stephen Hawking Furore macht, und eben James Blunt, der von seinen bisher vier Alben insgesamt rund 15 Millionen Exemplare verkauft hat.

Trotz seines vornehmen Akzents übrigens, worauf der eingeschnappte James Blunt (eigentlich: James Hillier Blount) ebenfalls hinweist: Die Plattenfirma habe ihn einst gefragt, so der Sänger in seinem offenen Brief, ob er sich nicht einen anderen Akzent zulegen könne. Er habe geantwortet, er könne es mit einem russischen versuchen.

Gibt es wirklich keinen schwarzen Othello?

Akzent- und Privatschul-Fragen – James Blunt war auf Harrow, der „zweitvornehmsten“ (Guardian) Privatschule Englands – stellen sich hierzulande eher nicht. Die Diversität, oder eigentlich ja mangelnde Diversität aber wird auch langsam zu einem Thema. Indem zum Beispiel gefragt wird, ob für die Rolle des Othello tatsächlich keine schwarzen Schauspieler zur Verfügung stehen. Und warum es so wenige – und noch weniger gute – Rollen für ältere Schauspielerinnen gibt.

Die Privilegierten nehmen ihre eigene Privilegiertheit in der Regel nicht wahr. Oder wenn, dann als ihr Verdienst. Vielleicht war Blunt deshalb so beleidigt: Er glaubt, es aus eigener Kraft geschafft zu haben. Eher scheint es jedoch Glück gewesen zu sein, dass er den massenkompatiblen Schlagerton mit einem Riesenhit so gut traf. An privatschultrainierter Rhetorik und Formulierungskunst hat es, siehe wazzock und gimp, in seinem Fall wohl eher nicht gelegen.

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