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Wasserfest

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Von: Sylvia Staude

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Wer immer Menschen programmiert hat, hat noch geübt.
Wer immer Menschen programmiert hat, hat noch geübt. © Ute Grabowsky/photothek.net/Imago

Maschinen beschimpfen, darf man das? Haben sie nicht auch Gefühle?

Natürlich gibt es einiges, was uns an dem Roboter aus dem Film „Ich bin dein Mensch“ beeindruckt. Die tadellosen Manieren zum Beispiel. Dass er trotzdem weiß, wie man sich die, äh, Finger schmutzig macht und Fenster putzt (bestimmt streifenfrei!). Dass er zwar nicht immer hundertprozentig den Geschmack Maren Eggerts trifft (Rosenblätter, Kerzen, meine Güte), aber lernfähig ist. Das sind gleich drei Sachen, bei denen Nichtroboter – sagen wir mal: durchaus herausgefordert sind. Wer immer Menschen programmiert hat, hat noch geübt.

Am meisten aber hat den schreibenden Menschen (?) beeindruckt, dass der humanoide Roboter wasserfest ist. Gelassen steht Tom im Regen, kein Alarm geht an, kein Kurzschluss droht. Ein wasserfester Begleiter, das wäre was. Beim eigenen Smartphone genügte ein kurzes Telefonat im irischen Wolkenbruch, genügten beim Nachfolgemodell Sekunden in der Toilettenschüssel, schon war wieder ein Neukauf nötig. Da half keine freundliche, ermunternde Ansprache.

Oder stellte es sich tot, das Teil, wollte so die seiner Meinung nach verdiente Rente herbeiführen? Hat man es nicht genug gelobt, es einmal zu oft beschimpft? Im Vertrauen darauf, dass es einen zwar hört (?), aber beleidigendes Vokabular nicht kennt? Hat Smartdings Gefühle? Die verletzt werden können?

Das Misstrauen wächst, je mehr der Mensch mit einer Maschine zu tun hat, die mit ihm in eine Art Dialog eintritt. Da sitzt ja vielleicht doch einer drin, im Navi, will einen nun umso penetranter von der Autobahn schicken, weil man gerade zu ihm/ihr gesagt hat: Du kannst mich mal, du Navidödel, ich fahr doch wegen 3 Minuten 30 Stauzeit nicht extra runter und wieder rauf. Weil man ihn/sie/es aufgefordert hat, gefälligst neu zu rechnen. Weil Maschinchen mit Gefühlen bei seiner Meinung blieb und daraufhin ein noch schlimmeres Schimpfwort zu hören bekam. Also, schlimmer vom Menschen aus betrachtet, bei der Maschine weiß man es eben einfach nicht.

Nein, dieser Mensch wird sich nicht entschuldigen, das wäre ja noch schöner. Vielleicht, wenn die nächste Generation Navis so, hm, seelenvolle Augen hätte wie Roboter Tom. Vielleicht, wenn es sich vor der nächsten Fahrt zwanglos anbieten würde, die Autofenster zu putzen. Und, sobald es merkte, dass der Mensch am Steuer müde wird, mit charmantem Smalltalk für anregende Unterhaltung sorgen würde.

Stattdessen sind in Planung: Autos, die gar nicht erst starten, wenn die Fahrerin nicht topfit ist. Rechnerwesen, die vermutlich erst mal den Blutdruck messen und den Atemalkoholwert prüfen. Mit denen man noch nicht einmal verhandeln kann, weil sie keine Gefühle haben. Und wasserfest sind.

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