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Times Mager

Warnung

Der wesentliche Unterschied zwischen Lotto und Krimischreiben liegt darin, dass Lotto mit wenig intellektueller Anstrengung auskommt. Der Krimi-Weg zu Geld und Ruhm ist dornig, steil und schmal, der Beruf des Ghostwriters für Politiker-Dissertationen wäre sicher einträglicher.

Von Hans-Jürgen Linke

Ungenaue Hochrechnungen und großzügige Schätzungen auf der Basis einer nicht-repräsentativen Umfrage haben ergeben, dass in Frankfurt am Main zurzeit etwa 135 Menschen demnächst den definitiven Frankfurt-am-Main-Krimi schreiben wollen. Die damit verfolgten Absichten sind, bis auf Nuancen, bei allen die gleichen: Sie wollen in der Stadt und weit über sie hinaus berühmt und zweitens möglichst reich werden und dann ihren Arbeitgebern eine Nase drehen.

Noch mehr Mitbürger, die diese Absichten verfolgen, verlassen sich aufs Lottospielen und sind damit auch nicht schlechter beraten. Wenn man die nicht wenigen Autoren, die ihren Frankfurt-am-Main-Krimi schon geliefert haben, ohne damit reich und berühmt geworden zu sein, fragt, wie viel Arbeit und Mühe es gemacht hat, sich einen Plot auszudenken, den mit Literatur zu füllen und dann einen Verlag aufzutun, der mit einer aufwändigen Kampagne das Werk millionenfach auf den dürstenden Markt werfe, dann wird man sich eher gewarnt als ermutigt fühlen. Der Krimi-Weg zu Geld und Ruhm ist dornig, steil und schmal, der Beruf des Ghostwriters für Politiker-Dissertationen wäre sicher einträglicher.

Der wesentliche Unterschied zwischen Lotto und Krimischreiben liegt darin, dass Lotto mit wenig intellektueller Anstrengung auskommt. Sich eine schöne, raffinierte Zahlenreihe auszudenken, dauert einen kurzen, befriedigenden Augenblick lang. Einen Krimi zu schreiben erfordert dagegen einen langwierigen Reflexions- und Bearbeitungsprozess.

Und vielleicht ist es gerade dieser Umstand, der das Krimischreiben für viele attraktiv erscheinen lässt und aus Deutschland ein einig’ Krimiland gemacht hat, nur Schweden scheint pro Einwohner noch mehr Kriminalromane zu produzieren.

In Fernsehprogrammen und Bücherregalen voller Krimis reflektiert sich eine Gesellschaft in einem tiefgreifenden Modernisierungsschub, während überkommene kulturelle Vertrautheiten der Globalisierung zum Opfer fallen. Der Satz, den jüngst ein bedeutender, hier nicht namentlich genannt werden wollender Berliner Autor äußerte, wird durch die Kriminalisierungstendenz der Literaturmarktes bestätigt: „Die Welt ist schlecht.“

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