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Wer mag das schon, wenn sich das Bier vor der Einnahme in etwas anderes  transsubstantiiert? Sehen Sie.
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Wer mag das schon, wenn sich das Bier vor der Einnahme in etwas anderes transsubstantiiert? Sehen Sie.

Times mager

Wandlung

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Die „Marken-Erlebniswelt“ einer Brauerei hat durchaus Erfreuliches auch aus religiöser Sicht zu bieten. So bedarf es nur einiger weniger Klicks, um vor aller Welt und in tiefem Glauben dem (oder der?) Stubbi zu huldigen.

Es war, wie Freund S. im Nachhinein versicherte, keineswegs blasphemisch gemeint, als ihm in der Fußballpause das Wort „Transsubstantiation“ entfuhr. Mit „Transsubstantiation“, erläuterte er den unwissend Umsitzenden, sei in der Regel die Wesensverwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi gemeint, bei der allerdings, wie S. unter Berufung auf das in seinem Telefon enthaltene Wikipedia beruhigend erläuterte, „der Leib Christi auch nach der Wandlung den Sinnen weiter wie Brot“ erscheine.

Die Transsubstantiation, fuhr S. fort, sei ihm in jenem Moment in den Sinn gekommen, als in der Bierwerbung der vertraute Satz „Wenn aus Herr Müller Herr Maier wird“ gefallen sei. Seinen Sinnen, so S. weiter, sei der nun als Herr Maier benannte Mensch weiter wie der anfangs gezeigte Herr Müller erschienen, obwohl die Fernsehstimme insistiert habe, dass es sich nunmehr um Herrn Maier handele. Wem da nicht „Transsubstantiation“ entfahre, der sei selber schuld.

Herr Müller und Herr Maier

Unsereins warf zögernd ein, nach unserer Erinnerung verwandle sich keineswegs Herr Müller in Herrn Maier, sondern „Herr Weber“ in „Sebastian“. Das, konterte S., mache die Sache erst recht zur Transsubstantiation, werde doch Herr Weber nun gar vom routiniert gesiezten Kollegen zum vertraulich geduzten, ja womöglich leiblich berührbaren und vertrauten Freund.

Es folgten noch vor Ende der Halbzeitpause einige Erwägungen zu der Wandlungsfähigkeit, die die moderne Welt uns abverlange. Man müsse, sagte S., vor 2000 Jahren schon mindestens Jesus gewesen sein, um Derartiges zu ahnen. Nur der Slogan „Wenn aus Bier Bitburger wird“ erscheine ihm, S., fragwürdig. Er trinke gern Bier und möge es nicht, wenn dieses sich vor der Einnahme in etwas anderes transsubstantiiere, auch nicht in einen Bitburger, da könne es in der Eifel so schön sein, wie es wolle.

Unsere weitere Recherche ergab, dass die „Marken-Erlebniswelt“ der Brauerei durchaus Erfreuliches auch aus religiöser Sicht zu bieten hat. So bedarf es nur einiger weniger Klicks und hochgeladener Kassenzettel, um vor aller Welt und in tiefem Glauben dem (oder der?) Stubbi zu huldigen. Stubbi (nach einzelnen Quellen abgeleitet von „Sturzbier“) nennt man die gedrungenen 0,3er-Fläschchen, die wieder in Mode gekommen sind. Wer genug davon kauft, bekommt ein kultisches Gewand respektive T-Shirt, auf dem irgendetwas von Stubbi steht. Der Slogan der Aktion lautet „Wenn aus anziehend bekennend wird“. Freund S. entfuhr, als er davon erfuhr, erstmals seit seiner Erstkommunion der Ausruf „Lieber Gott“.

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