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Mit der Neuzeit, um 1500, kommt nicht nur ein neues Weltbild auf, sondern auch ein neues Europabild.

Times mager

Wandernd das Fundament bilden

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Europas Grenze war seit jeher mitnichten so feststehend, wie es manchem Europäer zupass käme. Europa wurde immer wieder neu aufgebaut.

Hat man sich erst mal ein wenig genauer umgeschaut, kann es nicht einfach so bleiben. Das gilt stark für das ganze Drumherum. Es bewirkt, dass man die Dinge nicht so stehen lassen kann wie bisher. Schon gerät einiges in Bewegung. Schnell wird es unruhig.

Zur beweglichen Habe gehört auch Europa. Mit einem Male in den 50er Jahren (des 15. Jahrhunderts) wiederentdeckt, ganz plötzlich, und das hat mit den Türken zu tun, mit den militärischen Erfolgen der Osmanen, ihrem Vordringen, ihrer Eroberungslust, beschäftigt sich Europa mit sich selbst. Was aber, so fragt man sich, gehört zu Europa? Was ganz bestimmt? Was eigentlich nicht so richtig? Die Grenzziehung bleibt umstritten, besonders heikel ist diejenige, die Asien gilt.

Im Laufe der 500 Jahre, die seit der Zeit um 1500 folgten, ist genug Gelegenheit gewesen, um die eine oder andere Trennung vorzunehmen, darunter auch eine so feine wie zwischen dem „Europa der Historiker“ und einem „Europa der Geografen“. Was nun die beiden betrifft, hat das „Europa der Geografen“ stets wesentlich größer ausgesehen als das der Historiker. So großzügig das der Geografen auch bemessen worden ist – als ein Anhängsel Asiens, als eurasische Halbinsel, deren Grenzen in einem starken Ausmaß von Meeren bestimmt ist, erscheint Europa nicht wirklich selbstständig. Als Anhängsel, auf einer Weltkarte aus einer Asienperspektive eher als Peripherie.

Vom Europastandort aus ist die Grenzziehung zu Asien umstritten geblieben. Sie ist es von Anfang an, sie hat in gewisser Weise Tradition. Europäer heute müssen diese nicht kennen, um an dem Problem hartnäckig festzuhalten. Das Problem, da kann der Europäer tun und lassen, was er will, verhält sich nicht still.

Mit der Neuzeit, um 1500, kommt nicht nur ein neues Weltbild auf, sondern auch ein neues Europabild. Im Zuge der europäischen Expansion vergewissert sich Europa seiner Ausmaße. Die Grenzen sind dabei nicht ein für alle Male festgeschrieben. Die Grenzen sind es, die nicht nur Unruhe verbreiten, die Grenzen selbst sind ja in Unruhe. Eines Tages, Jahrhunderte nach den Tagen, in denen die Frühe Neuzeit ihren Anfang nahm, und das geschah auch mit der Entdeckung Europas, seiner Wiederentdeckung: Eines Tages wird ein kluger Forscher den Gedanken von den „wandernden Grenzen“ aufbringen.

Auch das eine Entdeckung! In das eine Land wanderten die Grenzen ein, aus einem anderen aus. Wanderndes bildete das feste Fundament, auf dem Europa immer wieder neu aufgebaut wurde.

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