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Schon die Beatls sangen über sie - wie gut, dass es Lieder über Walrosse gibt.

Times mager

Walross

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Immer mehr Schüler glauben, Enten seien gelb. Wie gut, dass es Lieder über Walrosse gibt.

Enten seien gelb, denkt eine zunehmende Zahl unserer Kinder, weil die Enten, mit denen sie in Spielwarenläden oder in der Badewanne zu tun haben, gelb sind. Dass die Enten, die sie beispielsweise im Zoo auf dem schmalen Wassergraben zwischen Papa und dem Kamel paddeln sehen, noch nie gelb waren, wird dann einfach ignoriert.

Wie kommen Sie darauf, dass in diesem Text die Mütter zoobesuchender Kinder als Kamele bezeichnet worden wären? Aber bei der Gelegenheit: Ein Onlinehändler wirbt mit der Annonce „I Am The Walrus Slogan Damen TShirt Ultramarinblau“, wie FR-Recherchen ergaben. Das trifft sich gut, denn wir leben zielstrebig auf den 24. November zu, den Tag, an dem die gleichnamige Beatles-Single vor 50 Jahren veröffentlicht wurde. Nein, der Song hieß natürlich nicht „I Am The Walrus Slogan Damen TShirt Ultramarinblau“, sondern nur „Ich bin das Walross“ (kleiner Übersetzungsservice Ihrer Beatles-Jubiläen-Redaktion). Aber der Liedtext ist gar nicht so weit davon entfernt.

Er beginnt nämlich mit den Worten „Ich bin er wie du bist er wie ihr seid ich und wir sind alle zusammen“, ebenfalls nach bestem Wissen übersetzt. Später ist die Rede von hübschen kleinen Polizisten in einer Reihe, vom Eiermann, natürlich vom Walross und „goo goo g’joob“. Was uns John Lennon damit sagen wollte, hat viele Hörer in den vergangenen 50 Jahren beschäftigt, zuallererst den Beatles-Produzenten George Martin. Seine Reaktion: „Nun, John, um ehrlich zu sein, ich habe nur eine Frage – was zur Hölle soll ich damit anfangen?“

Wie sich erwies, bestand der Text aus Einfällen ohne Kontext, verrückt, aber unter uns: nicht annähernd so crazy wie der deutsche Schlager der 70er Jahre („Schalalalala oh oh oh“, „Hossa! Hossa!“, „Ich bin verliebt in die Liebe, sie ist olayhay für mich“). Wie sich weiter erwies, wurde aus „I Am The Walrus“ eines der schönsten und aufregendsten Lieder, die man sich vorstellen kann. Der Einsatz von Orchester und Chor und Geräuschen: unerhört und stilbildend im Pop.

Ach, hätte man Zeit, Lieder zu schreiben wie John Lennon. Auf der Treppe zum eigenen Garten sitzen, jeden Tag zwei Stunden. Sich Sachen einfallen lassen, dann einen Song draus machen, und Milliarden Menschen werden ihn hören in den nächsten 50 Jahren, und Milliarden Menschen werden ihn lieben, ohne auch nur die Bohne zu verstehen, um was es überhaupt geht.

Wo waren wir? Gelbe Enten. 1997 glaubte laut „Jugendreport Natur“ jeder vierzehnte Schüler an sie, 2003 schon jeder neunte. Dann hörte man lieber auf, Schüler nach gelben Enten zu fragen. Goo goo g’joob.

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