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Jagd auf Moby Dick: Kämpft Gregory Peck mit einem Wal oder einem Walfisch?
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Jagd auf Moby Dick: Kämpft Gregory Peck mit einem Wal oder einem Walfisch?

Times mager

Walfisch

Zue und aufe Fenster finden die Menschen schon schlimm genug. Aber wehe, es schreibt einer Walfisch!

Friedfertige Stimmung an der Drogeriekasse, obwohl es rundgeht. „Und wem ist das hier?“, fragt die Kassiererin in die Menge. „Das ist ihm seins“, sagt die Kundin. „Mir“, ruft der künftige Besitzer.

Das sind Momente, in denen man weiß, dass man zu Hause ist, im Herzen des Zuhauseseins, ungeachtet der Frage, was davon inhaltlich und grammatisch zu halten ist. Es handelt sich jedenfalls um jenen Ort, an dem Grundschüler vor vielen Jahren angeblafft wurden, endlich achtzupassen, und Volontärsausbilder ihren Zöglingen befahlen, einmal bei ihnen zu kommen. „Pass acht“ und „Komm mal bei mich“, das sind Höhepunkte eines flexiblen Umgangs mit idiomatischen Wendungen.

Sie führten damals übrigens keineswegs zu den Diskussionen über Sprachverfall und Ausbildungsmängel wie es heute etwa bei der beliebten Wendung „Ich gehe Aldi“ der Fall ist. Dabei lässt sich nicht leugnen, dass auch diese bündige Formulierung in bürgerlichste Kreise vordringt, zumal man offensichtlich ebenso gut sagen kann: „Ich gehe Rewe“. Oder gar: „Ich gehe Feikert“ (ein alteingesessener Wiesbadener Feinkostladen, aber auch jeder Nichtwiesbadener wird sich etwas darunter vorstellen können, bitte inklusive der handlichen und ganz reizenden Hunde der Kundschaft).

Es gibt also sprachliche Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Bedauerlich beispielsweise, dass ausgerechnet das zue und das aufe Fenster, so flott, so praktisch, so einsichtig, zu den Unmöglichkeiten gehören soll.

Und „Die Jagd nach dem weißen Walfisch“?

Das Schlimmste ist aber, wenn einer Walfisch sagt oder schreibt. Das Wort Walfisch, biblisch und literarisch aufgeladen und insofern durchaus legitimiert, lässt noch im letzten Zuhörer und Leser jäh den Biologen auftauchen. Gleich fällt ihm ein, dass ein Wal kein Fisch und das Wort Walfisch – so formuliert es Wikipedia noch einigermaßen höflich – „eine umgangssprachliche, biologisch irreführende Bezeichnung für einen Vertreter der Säugetierordnung Wale“ ist. Eine Leserin schrieb vor Jahren erbost vom „braunen Schimmel“ (so was sitzt, wenn man eben ganz harmlos einen Weihnachtsmärchen-Walfisch gelobt hat, das wird man dann nie wieder tun).

Wie entspannt hingegen noch der Brockhaus von 1974, der hinter das Stichwort „Wale“ die „Walfische“ als Synonym setzte. Auch gab es garantiert eine kinderfreundliche Moby-Dick-Übersetzung, die im Untertitel „Die Jagd nach dem weißen Walfisch“ hieß.

Man kann daraus schließen, dass nicht alles im Lande schlampiger, sondern anderes auch fundierter wird. Und dass die Bevölkerung weitergekommen ist.

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