+
Kommt in der nächsten Serie Andrea Nahles bekifft als Emma Stoned und singt dem trübsinnigen Oberarzt Kinderlieder vor?

Times mager

Wahnsinn

  • schließen

Wie man den tollsten Satz des Tages auf einem Werbeplakat finden kann.

Kaum hat man sich mal entschieden, endgültig zu verzweifeln, steht schon wieder Rettendes im Weg. Da schleicht man angemessen deprimiert zur U-Bahn und sinniert über die Beförderungsbedingungen für angebräunte Verfassungsschutzpräsidenten, als plötzlich ein Plakat auftaucht, nein, viel besser: Es geht dem Unlust-Wandelnden ein „City Light“ auf! Und darauf steht geschrieben: „Realität ist heilbar.“

Das ist, denkt sich der werdende Fahrgast, kein schlechter Ansatz. Klar, es tun sich Fragen auf: Wenn Realität heilbar ist, handelt es sich ja wohl um eine Krankheit. So weit, so überzeugend. Aber wen hat die Krankheit befallen? Könnte ein Arzt zu Horst Seehofer sagen: „Tut mir leid, Herr Minister, Sie haben Realität, aber keine Sorge, sie ist heilbar“? Oder ist das sogar bereits geschehen? Oder ist es am Ende der deprimierte City-Light-Leser selbst, dessen Realität es zu kurieren gilt? Oder, wahrscheinlicher: Ist die ganze Welt an Realität erkrankt? Aber seit wann soll das heilbar sein?

Zwei Seehofer-Gesichter

Flugs mal googeln, überlegt der U-Bahn-Gast und googelt. Er findet: „Maniac“ (Wahnsinn). Also doch Seehofer? Nein, die neue Serie bei Netflix. Die Wahnsinnige ist Emma Stone, schreibt eine Rezensentin auf „Spiegel online“: „Emma Stone poltert durch die verschiedenen Welten (…). Und Justin Theroux verhebt sich an der Art von tragi-grotesker Männerfigur, die selbst den Coen-Brüdern nicht immer gelingt.“

Also doch Seehofer, Emma Stone hin, Justin Theroux her: Offensichtlich ist es Regisseur Cary Joji Fukunaga gelungen, dem Seehoferismus mit gleich mehreren dramaturgischen Kunstgriffen nicht nur ein Gesicht zu geben, sondern zwei. Dass er die wahnsinnige Seite von einer Frau darstellen lässt, nun ja, das hätte man sich in Zeiten von #MeToo auch anders vorstellen können (Eidinger!). Aber das „Tragi-Groteske“ hinter der Rolle des Oberarztes zu verstecken, während ein Mann, nämlich Jonah Hill, die Kanzlerin darstellt und „sämtliche Tonarten von Trübsal bläst“ („Spiegel online“) – genial.

Andrea Nahles bekifft in neuer Serie?

An dieser Stelle wacht der U-Bahn-Fahrer, nun bereits ein Umsteiger, aus seinen Träumen auf. Wo, fragt er sich, ist die SPD? Steckt auch sie sowohl in Emma Stone als auch in Justin Theroux, die sich ja beide mit Drogen zudröhnen lassen, um ihre Realität zu heilen oder sich von ihr heilen zu lassen oder was auch immer? Kommt in der nächsten Serie Andrea Nahles bekifft als Emma Stoned und singt dem trübsinnigen Oberarzt Kinderlieder vor?

Kaum hat sich dieser Gedanke ausgebreitet, wird dem inzwischen um- und wieder ausgestiegenen U-Bahn-Fahrer klar: Ohne Realität wäre die Welt tatsächlich ganz schön. Allerdings gäbe es dann auch keine „City Lights“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion