+
#Theaterheringe.

Times mager

Vorschläge

  • schließen

Niemand will im Theater fotografierende Smartphone-Nutzer neben sich, vor sich oder überhaupt im selben Raum mit sich haben. Was also ist zu tun?

Aus gegebenem Anlass müssen wir leider noch einmal auf den Vorschlag zurückkommen, fotografierende Smartphone-Nutzer im Theater mit einer besonders leisen und natürlich mit Stoffpölsterchen (roter Samt) überzogenen Greifzange vom Sitz zu ziehen und zügig durch eine flugs zu öffnende und fix wieder zu schließende Luke ins Freie zu verbringen. Das ist sicher kein tolles Erlebnis, aber auf dem Dach würden Erfrischungen gereicht, auch ließe sich das Stadtpanorama vorzüglich fotografieren.

Niemand will fotografierenden Smartphone-Nutzern etwas tun, aber niemand will sie neben sich, vor sich oder überhaupt im selben Theaterraum mit sich, insofern will doch jeder ihnen etwas tun. Nämlich sie fort tun.

Es ist offensichtlich schwierig, einen Theaterraum während der Aufführung zu verlassen, daraus ergeben sich diese komplizierten technischen Umstände. Denn eine andere Möglichkeit wäre bekanntlich der sich nach unten öffnende Sitz, bei dem der fotografierende Smartphone-Nutzer durch einen Gang rutschen und aus dem Theater purzeln würde. Durch eine Klappe in einer diskrete Nebengasse des Gebäudes zu landen, hätte für den fotografierenden Handy-Nutzer allerdings den Vorteil, direkt seiner Wege gehen zu können.

Darum wäre es vielleicht schöner, die fotografierenden Handy-Nutzer zunächst in einem Netz zu sammeln, in dem sie bis nach der Vorstellung herumhingen (reizvolle Selfie-Motive, #Theaterhering). Und bis alle anderen ihre Mäntel abgeholt hätten. Ich weiß nicht recht, womöglich sogar so lange, bis alle anderen ihre Smartphones aus den Manteltaschen gezogen und in Ruhe ihre Mails angeschaut hätten. Ja, das wäre wohl ein angemessener Zeitraum.

Übrigens handelt es sich bei fotografierenden Smartphone-Nutzern im Theater nie (selten) um wirklich junge Leute. Dadurch auf Desinteresse zu schließen, wäre angesichts des offenkundigen Desinteresses der fotografierenden Smartphone-Nutzer verfehlt. Wirklich junge Leute sind sich also eventuell einfach im Klaren darüber, was für ein Mist solche Fotos normalerweise sind.

Geradezu flehentlich rief ein Intendant kürzlich den Zuschauern vom Band aus zu, wie schön es doch sei, im Theater einmal einfach nur zuzuschauen. Sehen wir in diesen Fragen barock zerfahrenen Zeiten entgegen? Sollte eine der positivsten Errungenschaft des 19. Jahrhunderts – und sei sie nur aus falsch verstandener Heiligtuerei entstanden – dahin sein, der abgedunkelte totenstille Zuschauerraum?

Betrüblicherweise zeigt sich in dieser Angelegenheit die Machtlosigkeit der Presse. Und die Macht der Intendanten scheint an der Eingangstür zum Zuschauerraum zu Ende zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion