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Vorsätze

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Von: Sylvia Staude

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Guter Vorsatz: Treppensteigen.
Guter Vorsatz: Treppensteigen. © Imago

Über den richtigen Umgang mit GV (Guten Vorsätzen) zu Jahresbeginn, aber auch anderen Zeiten.

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Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt, höchste Zeit also für Gute Vorsätze (im Folgenden: GV).

Allerdings, will man sich eigentlich vorschreiben lassen, zu welcher Jahreszeit, gar an welchen Tagen man GV fassen will? Und zeugt es nicht von kühner Denkungsart, wenigstens zwei oder drei GV eben nicht auf ein markantes Datum zu legen (Frühlingsbeginn, Sommersonnenwende, Heilige Drei Könige, Geburtstag des Hundes, Todestag des Meerschweinchens), sondern auf den unscheinbaren 2. Februar oder 13. März oder 23. April? Obwohl, streichen Sie „unscheinbar“ in Bezug auf den 23. April 2016, denn: (Mehr oder weniger genau) 400 Jahre nach Shakespeare und Cervantes muss man an diesem Tag seine GV mit Bedacht fassen. Motto: Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.

Genauso gut kann man aber, um seine geistige Unabhängigkeit und seine Kritik am kapitalistischen Konformitätszwang zu belegen, zum Beispiel den 5. Januar für GV nutzen.

Allerdings, wirkt der 5. Januar nicht wie zum 1. Januar probiert und nicht pünktlich geschafft? Oder wie der Anlauf zu einer Extrawurst – und dann hat einen der Mut verlassen, wenigstens bis zum 6. oder 7. Januar zu warten. Oder als hätte man nach Silvester vier ganze Tage gebraucht, um wieder nüchtern genug zu werden für einen GV respektabler Größe. Oder, ganz übel, als hätte man erst die GV anderer abgewartet, um sich den einen oder anderen GV abzugucken, weil einem selbst nichts einfällt.

Vor allem wohl kein irgendwie origineller GV. Aber ein origineller sollte es ja schon sein, sonst lässt man das mit den GV lieber gleich und wartet ab, ob es zum Jahreswechsel 2016/17 für einen Geistesblitz reicht oder zur Sommersonnenwende 2017 oder zu Heilige Drei Könige 2018.

Andere Möglichkeit: Sie fassen nur noch GV, von denen Sie hundertprozentig sicher sind, dass Sie sie einhalten werden. Zum Beispiel können Sie sich vornehmen, am 5. Januar zu Fuß in den dritten Stock zu gehen, statt den Lift zu nehmen. Und wenn’s gut läuft, spricht ja nichts dagegen, den gleichen GV am 6. Januar wieder zu fassen. Und wenn es am 7. gleich noch mal klappt, bestellen Sie sich im Internet einen Crosstrainer, fassen aber gleichzeitig den GV, sich mit diesem Crosstrainer keinesfalls unter Trainingsdruck zu setzen.

Wenn man zu guter Letzt den beliebten GV konsequent vermeidet, die Dinge nicht mehr vor sich her zu schieben, spricht nichts dagegen, die Dinge vor sich her zu schieben. Inklusive der Entscheidung über die GV.

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