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Friedrich Merz will den „Aufbruch nach vorne“. Also von hinten kommend. Aber eigentlich ist er ja doch sehr rechts. Kompliziert.

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Vorne

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Wenn man es erst mal raus hat, ist es ganz leicht, nach vorne zu marschieren.

Sie kennen das vielleicht von Ihrer Wandergruppe: Da ruft einer laut und deutlich zum Aufbruch, und was macht die ganze Truppe? Marschiert geschlossen rückwärts. Oder zur Seite.

Nein, Sie kennen das nicht? Egal, auszuschließen sind solche Dinge trotzdem nie, gerade in der Politik nicht und auch nicht in der CDU, aber jetzt, endlich, ist das Gegenmittel gefunden. Friedrich Merz hat es entdeckt, und wieder lässt sich leicht erkennen: Wenn man es erst mal raus hat, ist es ganz einfach.

Die Partei, hat Friedrich Merz gesagt, brauche einen „Aufbruch nach vorne“. Noch Fragen? Nein. Wenn Sie mal wieder Ihre Wandergruppe beisammenhaben – einfach „Aufbruch nach vorne“ schreien, schon stimmt die Richtung. Es fragt sich nur: Wo ist das eigentlich, vorne? Ist das da, wo Friedrich Merz steht, der gern CDU-Vorsitzender werden will, also rechts? Oder da, wo Annegret Kramp-Karrenbauer steht, die nicht mehr CDU-Vorsitzende sein will, also einen kleinen Schritt links von ganz rechts?

Auch das ist allerdings sehr einfach: Vorne ist da, wo Annegret Kramp-Karrenbauer steht, und zwar genau so lange, bis sie nicht mehr vorne steht. Sonst hätte sie ja nicht gesagt: „Ich führe den Prozess, um zu einem Kanzlerkandidaten oder einer Kanzlerkandidatin der CDU, der Union gemeinsam zu kommen, weiter von vorne.“

Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär, wusste das schon im Oktober 2019: „Sie wird den Prozess der Kandidatenfindung bei der Spitzenkandidatur von vorne führen.“ Nur dass er damals dachte, sie würde dort auch bleiben.

Sehen Sie: Während Merz noch nach vorne aufbricht, ist Kramp-Karrenbauer schon da. Beziehungsweise noch, so lange, bis sie aufbricht und sich davonmacht, und zwar nach hinten.

Gerade in diesem Augenblick wird Friedrich Merz höchstwahrscheinlich vorne ankommen, er ist ja rechtzeitig aufgebrochen. Und jetzt dürfen Sie mal raten, was er dann tun wird. Richtig, von vorne führen.

Wenn Sie jetzt sagen, geführt werde doch eigentlich immer von vorne, dann waren Sie noch nie im Krieg oder bei Wikipedia. „Führung von vorne bedeutet, dass der Befehlshaber einer Einheit seine Truppen direkt vom kritischsten bzw. wirkungsvollsten Punkt der Front befehligt und nicht in einem gesicherten Gefechtsstand hinter der Front.“

Und: „Heute wird das System von allen modernen Armeen […] angewendet, da das größte Manko der Führung von vorne, die Kommunikation und der Informationsaustausch, durch moderne Führungssysteme größtenteils ausgeglichen werden kann.“

Es zeigt sich also: Eine moderne Armee ist die CDU dann auch wieder nicht.

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