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Benedict Cumberbatch feierte als Hamlet seine Theater-Premiere.
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Benedict Cumberbatch feierte als Hamlet seine Theater-Premiere.

Times mager

Voraufführung

Die Zeitungen werden berichten, die Menschen sich beruhigen: Endlich, nach gefühlten hundert Voraufführungen, hatte Benedict Cumberbatch als Hamlet Premiere.

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Große Theaterproduktionen starten im englischsprachigen Raum mit Voraufführungen, bei denen Publikum und Produktion sich aneinander gewöhnen können. Die Kritiker werden erst zur Premiere reingelassen. Diese Voraufführungen sind im Falle des neuen „Hamlet“ am Londoner Barbican etwas aus dem Ruder gelaufen. Erstens fluchte Hamlet textuntreu, als sich der Teppich unter der Tür verklemmte. Zweitens wurde er dermaßen fanatisch aus dem Publikum fotografiert, gefilmt, audiomitgeschnitten und umtwittert, dass er sich nachher an die wartenden Fans wandte, mit der Bitte, das doch zu unterlassen, weil es ihn an seiner Arbeit hindere. Er drohte auch, man werde die Schurken, äh, Handybenutzer mittels moderner Technik orten und umbringen, äh, entfernen. Natürlich wurde die Szene gefilmt. Drittens sind wir über all das und mehr (der, DER Hamlet-Monolog stand am Beginn des Stückes, ein paar Voraufführungen später dann aber nicht mehr! England, Hort des Nicht-Regietheaters) ziemlich gut informiert, obwohl es uns gar nichts angeht. Viertens hatten sich nämlich auch Kritiker und Kritikerinnen, nein: Kritikerinnen eingeschlichen.

Die Ticket-Hysterie

Aber liegt die Aufregung um nicht zu sagen: Hysterie – für die Tickets der echten Vorstellungen werden Preise bis 1500 Pfund gezahlt, liest man – nun an dem Darsteller oder an der Titelfigur? Es ist beneidenswert, dass es zumindest eine Mischung sein dürfte. Cumberbatch ist zwar furchtbar beliebt, aber Hamlet ist es auch. Ein Pendant in der Gunst des deutschsprachigen Publikums gibt es nicht. Achill steht nicht auf dem Titelblatt, Penthesilea ist zu psychopathisch, der Prinz von Homburg ist zu verklemmt – gegen Penthesilea und den Prinzen von Homburg ist Hamlet ein leichtherziger Bummelstudent –, und Wilhelm Tell, pardon, ist einfach zu spießig. Der einzige deutsche Titelheld, der selbst einen ernsthaft berühmten Monolog spricht, ist zu diesem Zeitpunkt nicht schon, sondern noch deutlich zu alt. Faust, der sonst gut mit dem dänisch-englischen Prinzensohn konkurrieren könnte, wird von seinem Schöpfer praktisch vorab aus dem Rennen geworfen. Clavigo wiederum ist begabt und labil, aber nicht berühmt genug. Karl Moor ist rabiat und edel, aber ebenfalls nicht berühmt genug, nicht mehr. Tatsächlich dürfte sich die Erregung um August Wilhelm Ifflands Karl Moor noch am ehesten mit der um Cumberbatchens Hamlet vergleichen lassen. Zweitere relativiert sich dadurch rührend.

Cumberbatchs „Hamlet“ hatte gestern Abend endlich Premiere. Die Zeitungen werden berichten, die Menschen sich beruhigen.

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