Nach längerem Gebrauch kann eine Waschmaschine unangenehm zu riechen anfangen.
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Der Weg zu sauberer Wäsche kann lang und beschwerlich sein.

Times mager

Vollautomat

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Hatten wir nicht früher eine Waschmaschine, die man einfach anknipste?

Wir hatten eine wunderbare Waschmaschine. Jetzt haben wir ein Problem. Moderne Technik – das Musical.

So begab es sich einst, dass Menschen einen Waschvollautomaten ersannen, vollkommener als alles, was die Welt gesehen hatte. Es war am Anbeginn der Zeit, sprich: als die bezaubernde Frau den bis dato waschvollautomatenlosen Haushalt bereicherte. Der bis dato alleinige Vorstand des Einpersonenhaushalts war traditionell einmal pro Quartal beim Weckruf des Gartenrotschwänzchens aufgebrochen, die Taschen voller Geld, um die getragene Wäsche vergangener Monde im Hauruckverfahren gen Waschsalon zu wuchten, sieben bis zwölf Münzmaschinen zu befüllen, während des Waschvorgangs im Café zu frühstücken und alles wieder nach Hause zu karren.

Mit dem Aufscheinen der bezaubernden Frau jedoch, 23 Jahre ist es her, galt es auch, das gemeinsame Leben durch gewisse Textilroutinen zu bereichern. Wir entschieden uns für das Modell einer Handelskette, die nach dem Ursprung aller Flüsse benannt ist. Die Maschine konnte nur eines: waschen. Aber das sehr gut. Man füllte Wäsche ein, Waschmittel, wählte eine Temperatur, sauber.

Doch zuletzt quälte sich unsere Heldin zuhörends. Es war nicht mehr so, dass Wasser triumphal rauschend in die Trommel drang, sobald wir den Startknopf drückten, mit der kühnen Ansage: „Ei, Öl, Kakao – hüpft ihr freiwillig aus den feuchten Fasern, oder soll ich euch durchnudeln, bis Tenside euch den Rest geben?“ Nein, am Ende tröpfelte kaum hörbar Nass ins Gerät, zaghaft, als würde man einen Satz am liebsten ginz dinn schribin, dimit winigstins winzige Bichstibin Plitz findin.

Als Tests ergaben, dass es nicht am Zulaufschlauch lag, entschieden wir traurig, unsere müde Heldin gegen das neuste Modell desselben Herstellers zu tauschen (die Handelskette längst versiegt, die Gerätemarke wohlauf). Man kann jetzt nicht nur die Temperatur einstellen, sondern auch die Schleuderdrehzahl. Nein, man muss die Schleuderdrehzahl einstellen. Sonst tut sich nix. Man muss ferner die richtige Schleuderdrehzahl einstellen, die zu einem der ca. 250 Waschprogramme gehört. Sonst tut sich nix.

Dafür zeigt die neue Maschine die Gesamtwaschzeit an. Steht da 1:35, kann man nach 1:45 getrost in den Keller gehen und entweder zusehen, wie die Trommel gerade Schaummassen walkt, ohne die Verspätung zu begründen, oder der Waschvorgang ist tatsächlich beendet, aber der versprochene Schleudervorgang blieb aus.

Bedienungsanleitung und Lesebrille liegen im Keller. Wir planen ein Studium der Waschtechniklehre. Oder Yoga. Auch wütendes Herumbrüllen soll reinigend wirken. Du Vollautomat.

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