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Times mager

Volksschule

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Zwei Polizisten finden vor dem Gymnasium einen Ohnmächtigen und schreiben ein Protokoll: Vom Erzählen heikler Witze in der Redaktion.

Heute in unserem Programm: der politisch-soziale Randgruppenwitz im Spiegel des redaktionellen Meinungsaustauschs. Viel Times-mager-gemäßer geht es einfach nicht.

Es begann mit dem Kollegen K., der das Kollegium kurz vor Feierabend mit einem sehr kurzen Behindertenwitz konfrontierte, der allerdings an politischer Korrektheit keineswegs zu wünschen übrig ließ, da die den Witz tragende Behinderung in der Wirklichkeit nicht existiert.

Der Witz ging so: „Kommt ein Mann mit zwei linken Füßen in den Schuhladen und fragt: ,Haben Sie Flip-Flips?‘“

Die Kollegin R. zog, da nun dem Minderheitenwitz die Türe geöffnet war, eine als Witz verkleidete Anspielung auf ökonomisch-soziale Gesamtverhältnisse im Zusammenhang mit Migrationsfragen aus ihrem Facebook und verlas das Folgende: Ein Banker, ein „Bild“-Leser und ein Asylbewerber sitzen an einem Tisch mit 20 Keksen. Der Banker nimmt sich 19 Kekse und sagt zum „Bild“-Leser: Vorsicht, der Asylbewerber will dir deinen Keks wegnehmen.

Untergründig fremdenfeindlich?

Ist Ihnen aufgefallen, dass der Asylbewerber gar nicht zu Wort kommt (ebenso wenig wie zum Keks)? Steckt also im zwar kritischen Potenzial des Scherzes eine untergründig fremdenfeindliche Strömung? Als jemand diese Frage aufwarf, griff sich selbst der Kollege mit Migrationshintergrund, den wir hier durch Nichtnennung seines Namens zusätzlich unterdrücken möchten, erschüttert an den Kopf.

Zufällig griff wenig später im Kaffeehaus auch der dortige Wirt zum politischen respektive Sozialwitz, indem er verkündete: Zwei Polizisten finden vor dem Gymnasium einen Ohnmächtigen und schreiben ein Protokoll. Sagt der eine Polizist: Wie schreibt man Gymnasium? Sagt der andere: Komm, wir tragen ihn lieber vor die Volksschule.

„Volksschule“! Wann haben Sie zuletzt dieses schöne Wort gehört? Stammgast R. fragte mit Recht: Wer ging eigentlich früher ins Gymnasium, wenn das Volk in die Volksschule ging? Damit war natürlich nur ein Teil des Witzkerns erfasst, wie Stammgast S. sofort bemerkte.

Der zweite Teil des Witzkerns, so S., bestehe in der sozialkritischen Feststellung, dass der uniformierte Bildungsverlierer die Wirklichkeit, die sich hier – Achtung! – auch noch in einer „Ohnmacht“ manifestiere, sozusagen eigenhändig dorthin transportiere, wo er sie mit seinen schuldlos begrenzten Möglichkeiten erfassen könne. Stammgast R. griff sich angesichts dieser Ausführungen nun seinerseits an den Kopf und bemerkte treffend: „Dann lieber Volksschule.“

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