Welchen Vogel würde der Fuchs wohl nominieren?
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Welchen Vogel würde der Fuchs wohl nominieren?

Times mager

Vögel

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Alpenbraunelle? Pfuhlschnepfe? Zwergtaucher? Sie dürfen sich einen Vogel wählen.

Hinter jeder Kehre kann jetzt etwas Unerhörtes warten. Das weißt du im Weinberg nie. Oder etwas Ungesehenes. Jedenfalls etwas Unvorhergesehenes. Und es gibt so viele Kehren. Du weißt noch nicht mal, ob es bergauf gehen wird nach der nächsten oder bergab. Aber dann schnürt da der Rote.

Er schaut. Läuft ein paar Meter weiter auf dem Weg. Bleibt wieder stehen. Schaut sich noch einmal um. Läuft weiter. Wer noch nie einen Fuchs gesehen hat, obwohl Füchse ja jetzt praktisch überall auftauchen, in den Städten platzen sie in Erdgeschosswohnungen und Supermarktfilialen hinein, aber wer noch nie einen Originalfuchs aus der Nähe gesehen hat, für den ist das schon eine Supersache.

Wie elegant er läuft. Noch ein paar Meter, immer auf dem Weg, dann wieder der Blick zurück, was wohl der Mensch macht? Der Mensch geht behutsam hinter dem Fuchs her, versucht so ungefährlich und fuchsfreundlich auszusehen wie möglich und ist sich der Bedeutung des Augenblicks bewusst.

Was will der Fuchs dem Menschen sagen? Komm mit, ich hab‘ da ein Problem, wie Lassie damals, hilf mir mal kurz? Bellen Füchse im Notfall? Oder ist das hier eine Bewerbung? Eher nicht. Es wird ja kein Fuchs des Jahres gesucht zurzeit, sondern der Vogel des Jahres. Erstmals darf die Bevölkerung den Vogel des Jahres selbst nominieren.

Nicht einfach so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, der Bevölkerung, sondern aus 307 vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten, von der Alpenbraunelle über die Pfuhlschnepfe bis zum Zwergtaucher, aber immerhin. In den ersten Tagen wählte sie sieben vom Aussterben ungefährdete Vogelarten unter die Top Ten, die in die zweite Runde kommen, angeführt von der Stadttaube. Ein bemerkenswert barmherziger Akt seitens der Bevölkerung, geht man doch oft davon aus, sie stünde der Taube eher feindselig gegenüber.

Der Schriftsteller Saša Stanišić, der sich auch mit Füchsen gut auskennt, startete eine heitere Kampagne für den Goldregenpfeifer, worauf jener eine Erfolgsserie hinlegte, die ihn bis auf Platz sechs nach vorn brachte (zum Zeitpunkt der Entstehung dieses ebenfalls vogelfreundlichen Times mager). Der Goldregenpfeifer ist vom Aussterben bedroht und enorm niedlich. Keine schlechte Wahl.

Der Fuchs würde die Gans wählen, ziemlich sicher. Wie schlau er ist, lässt sich auch daran erkennen, dass er dem Menschen keine Angst einjagt, wenn er ihn trifft, anders als manch unbegleiteter Hund. Irgendwann biegt er halt ab in den Wald. Der Mauersegler hätte einen Platz ganz weit vorn auch verdient. Und wo bleiben eigentlich die Kraniche?

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