Das brauchen wir noch! Vielleicht ...
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Das brauchen wir noch! Vielleicht ...

Times mager

Vielleicht

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Es könnte ja durchaus sein, dass man ihn noch einmal braucht, den Fünfpol auf Cinch.

Es gibt bessere Ideen, als bei zweiunddreißig Grad Innentemperatur (Dachgeschoss) die Kabelschubladen auszumisten. Es gibt allerdings auch bessere Ideen, als bei zwanzig, drei oder minus elf Grad die Kabelschubladen auszumisten. Deshalb hat ja seit vierzig Jahren niemand mehr die Kabelschubladen ausgemistet.

Nun sind aber anlässlich einer frei flottierenden Urlaubswoche bereits Textilien, Tonträger und Teegeschirr verschlankt und sortiert worden. Es wäre also keine Schande, die übrige Zeit auf dem Rücken liegend zu vertun, mit kühlen Getränken, beflügelnder Literatur und leisem Triumphgeheul. Wenn es jedoch gelänge, überdies die Kabelschubladen auszumisten – das wäre ein Coup. Damit wäre die ganze Urlaubswoche endgültig veredelt.

Kabelschubladen beinhalten, wie jeder halbwegs lebenserfahrene Mensch weiß, die Verbindungsleitungen aus der Kindheit ins Erwachsenendasein und aus dem Erwachsenendasein in die bittere Realität. Ein Adapterkabel, fünfpolig, DIN-Buchse auf Cinch-Kupplung, das war eine tolle Sache. So ein Adapter eröffnete die Möglichkeit, seinen Kassettenrekorder an den Plattenspieler anzuschließen. Zack, kam die Musik aus zwei Lautsprechern. Wenn auch aus beiden Lautsprechern genau gleich. So ein Fünfpol auf Cinch konnte ja aus einem Mono-Kassettenrekorder auch kein Wunderding machen.

Warum dieser Adapter immer noch in der Kabelschublade liegt, während anderswo Rasenmäher kabel- und geräuschlos durch die Gegenwart fahren, lässt sich nicht so genau erklären. Doch, es lässt sich genau erklären, und das Schlüsselwort lautet: vielleicht.

Brauche ich diesen Fünfpol auf Cinch jemals wieder? Nein, aber: Stell dir vor, du brauchst einen Fünfpol auf Cinch, und kein Geschäft weltweit hat noch dieses Ding. So! Ein Blick ins (kabellos betriebene) Internet bezeugt zwar, dass knapp 2000 Anbieter bereit wären, dieses Ding versandkostenfrei bis morgen zu liefern. Aber trotzdem.

Ursache dafür, dass wir hier von Kabelschubladen im Plural sprechen, sind u. a. fünfunddreißig Meter Fernsehantennenkabel, vierzig Meter Breitband-Lautsprecherkabel (Hifi-Gurus versprachen himmelweite Klangunterschiede), LAN-Verbindungsstrippen für Vierzimmerwohnungen sowie zehn Millionen Steckverbindungen für alles Erdenkliche. Unnötig zu erwähnen, dass sich kaum noch ein Gerät im Haus befindet, das eines der vorrätigen Kabel für seinen Betrieb benötigte. Aber wer weiß, morgen verbieten die Amis oder die Chinesen Bluetooth, und dann stehst du da.

Man kann so ein paar Schubladen natürlich auch mal an einem Sonntagnachmittag im Winter ausmisten. Das geht ja schnell.

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