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Minigolf war früher ein nettes Freizeitvergnügen. Heute ist bestenfalls noch eine nostalgische Erinnerung.

Times mager

Viel später

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Spaziergang in die Vergangenheit: Als Kind bastelt man sich eine eigene Welt aus Assoziationen, Gedanken und Vermutungen.

Den Lebensmittelladen der E.s am Ende der Straße gibt es schon lange nicht mehr. Anschließend war dort ein Geschäft für Bodenbeläge. Dann war dort kurze Zeit nichts. Dann wurden Wohnungen gebaut. Heute steht auf einer holzvertäfelten Veranda eine Bananenstaude im Topf. Und alle Fenster sind dunkel an diesem Septemberabend, an dem die Besucherin – längst ist sie hier nur noch Besucherin – vorbeigeht. Die Erinnerung gibt außerdem noch her, dass das Kind sich oft ein Wassereis im Lebensmittelladen der E.s holen durfte. Das Eis lief am Stiel runter und machte klebrige Finger.

Gern wüsste die Besucherin heute, ob es eigentlich stimmte, was die Erwachsenen einander einst erzählten, dass nämlich Familie S., Hausnummer 11, im Keller wohnte, um die Möbel im Rest des Hauses zu schonen. War es ein Anzeichen für irgendwas, dass das Kind Frau S. oft sah, in Kittelschürze, mit Kopftuch, wie sie ihren Garten penibel pflegte, jedes welke Blatt aufhebend, jedes Unkräutlein zwischen den Gehwegplatten zupfend?

Der junge Mann schräg gegenüber von den S. lasse das Haus, das er geerbt habe, doch schrecklich verkommen, sagten die Erwachsenen in der Straße und schüttelten betrübt den Kopf. Dem Kind erschien er als ziemlich alter Mann. Tatsächlich ist er lange schon gestorben, das Haus abgerissen, ein neues gebaut, das auch nicht mehr neu ist.

Das Mädchen aus Hausnummer 17 war oft allein, es war das einzige dicke Kind weit und breit. Fangen oder Gummitwist spielte es nicht mit, aber das war ja logisch. Niemand verliert gern jedes Mal, das war auch den Kindern schon klar. Und der Junge, der mit erstaunlich alten Eltern am anderen Ende der Straße lebte, stimmte es, dass er adoptiert und darum so scheu, so gar nicht seiner Sache sicher war?

Von dort einmal rechts ums Eck, einmal links, dann geradeaus und man kam zum Lehrerhaus. Natürlich hieß es Lehrerhaus, wie auch nicht, wenn doch ein Lehrer mit seiner Familie drin lebte. Allerdings war sich die Nachbarschaft einig (die Kinder der Nachbarschaft nahmen es interessiert auf), dass dieser Lehrer fürs Nichtstun gut bezahlt wurde. Religion und Sport, ich bitte Sie!

Dann über die Straße rüber und da war schon der Minigolfplatz. Am Kassenhäuschen gab es den Sommer über das gleiche Wassereis am Stiel wie im Lebensmittelladen der E.s. Im Kassenhäuschen saß außerdem den Sommer über eine Frau, von der die Erwachsenen sagten, ihr Mann sei nicht gut zu ihr. Alles Lauschen löste nicht das Rätsel, was die Erwachsenen damit meinten. Aber irgendwann hieß es, er habe sie wegen einer Jüngeren verlassen. Aber immer war die Frau sehr freundlich zu den Kindern.

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