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Rembrandt, hier im Selbstporträt, war für seine Zeitgenossen schwer kalkulierbar.

Times mager

Verspekuliert

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Rembrandt verschuldete sich schwer mit dem Kauf eines Hauses in der Sint Anthonisbreestraat. Aber andere verspekulierten sich noch mehr.

Jetzt mal eine eher prosaische Geschichte. Das heißt, Rembrandt war nicht nur künstlerisch für seine Zeitgenossen ziemlich schwer kalkulierbar, obendrein spricht die Rembrandtliteratur immer wieder davon, dass er überhaupt nicht haushalten konnte, so auch Nils Büttner in seinem Rembrandtbuch bei Reclam, ohne allerdings Spekulationen anzustellen: inwieweit sozialisierte der waghalsige Künstler den leichtsinnigen Bürger?

Aber es wird doch erneut klar, dass es Rembrandt in seinem Leben ständig an Geld fehlte, dass er sich immer wieder verspekulierte, mit dem Hauskauf in der Sint Anthonisbreestraat besonders krass. Dieser Kauf, schreibt Büttner, war der Anfang vom Ende. Zumal das von Rembrandt erworbene Haus im Zuge des Niedergangs des Viertels (Büttner spricht erstaunlicherweise von Gentrifizierung) beträchtlich an Wert verlor. Schon beim Erwerb ließ Rembrandt sich auf eine Immobilie auf einem prekären Untergrund ein, feucht, instabil, immer wieder renovierungsbedürftig.

Eine fabelhafte Geschichte

Von dem Haus, das Rembrandts Ruin bedeutete, heißt es gleichwohl in einem sehr anschaulichen Buch, zu haben im heutigen Rembrandthaus, dass aber „hin und wieder ein Bankrott auch ein Segen sein“ könne. Das ist sehr nachweltorientiert gedacht. Sorgte doch das Fiasko am 25. Juli 1656 für die Liste, auf der die bewegliche Habe im Rembrandthaus inventarisiert wurde, damit doch noch Licht in das sonst so ungemein dunkle Dunkel der Rembrandt’schen Lebensumstände gekommen ist. Oder hätte es wirklich allein bei der Bemerkung Arnold Houbrakens bleiben sollen, der Rembrandt nicht mehr erlebte, in seiner Biografie 1718 aber vieles über ihn in Umlauf brachte, so auch die Anekdote, der Meister hätte sich nach den Münzen gebückt, die seine Lehrlinge auf den Boden malten.

Fabelhafte Geschichte. Wobei, Houbraken wollte Rembrandt wohl an dieser Stelle übel. Denn sollte es wirklich so sein, dass Rembrandt, der die Welt mit eigenen Augen sah, enorm schlecht sah? Oder bückte sich der Porträtierte, weil ihn Not und Verzweiflung blind machten? Oder wollte er den bösen Spaß seiner Schüler nicht verderben? Oder wollte er ihnen zeigen, wie sehr er ihren Verführungskünsten vertraute? Oder noch verflixter: Täuschte er dieses Vertrauen in die Fertigkeiten seiner Schüler nur vor? War er also unsagbar deprimiert und unfassbar desillusioniert?

Aus diesen wenigen Fragen wird ersichtlich, wie sehr Houbraken, für Rembrandts prekäre Situation eine Anekdote in Umlauf bringend, sich ziemlich verspekulierte.

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